Wigratzbad - Priesterseminar St. Petrus

Niederlassungsinfo
▶▶ Zu den künftigen Terminen der Weihen des Priesterseminars
 

Zeichen der Demut – Tonsur und Einkleidung in Lindau

Am Samstag, den 22. Oktober, empfingen 21 Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus die Tonsur und ihr geistliches Kleid. Für die jungen Männer, die im Sommer ihr erstes Studienjahr abgeschlossen haben, war es die erste von sieben liturgischen Etappen auf dem Weg zu Priestertum

Erzbischof Wolfgang Haas war aus Vaduz angereist, um die rituellen Handlungen im Münster zu Lindau vorzunehmen. Dabei schnitt er den Kandidaten einige Haare in Kreuzesform ab, als Zeichen der Abkehr von allem Irdischen, anschließend überreichte er ihnen in Anlehnung an das Taufkleid den weißen Chorrock des Klerikers.

Diesen rituellen Akt der Hingabe an Christus hatte der Bischof zuvor auch in seiner Predigt aufgegriffen, indem er die Kandidaten zur Demut aufrief, welche die Voraussetzung für alle anderen Tugenden sei. „Die Demut besteht darin“, so Haas, „seine eigene Ohnmacht zu erkennen, sowie die Notwendigkeit, bei Gott Zuflucht zu suchen, und ihm alles Gute zuzuschreiben, das wir machen können.“ Die Demut schütze vor Eitelkeit, falschem Ehrgeiz und Überheblichkeit. Für die zukünftigen Kleriker gelte in besonderer Weise das Vorbild Christi: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11, 29).

Auch wenn mit der Tonsur nach dem neuen Kirchenrecht nicht mehr die Aufnahme in den Klerikerstand verbunden ist, so hat sie für das Priesterseminar nach wie vor einen spirituellen Wert als Eingangstor zu den niederen und höheren Weihen. Die Eingekleideten werden von nun an als offizielle Mitglieder Priesterbruderschaft St. Petrus geführt und dürfen, wie ihre Mitstudenten in den höheren Jahrgängen, die schwarze Soutane tragen.

 

Instrumente des Heiligen Geistes

Am 18. Juni erteilte Erzbischof Wolfgang Haas, der kurzfristig für den erkrankten Bischof von Kopenhagen, Czesław Kozon, einsprang, zwei Diakonen der deutschprachigen Studiensektion des Priesterseminars St. Petrus die Priesterweihe. In der nachfolgenden Fotogalerie finden Sie auch die Bilder von der Priesterweihe in Frankreich am 2. Juli 2022 mit Diözesanbischof Marc Aillet (Bayonne).

Es sei für ihn eine Freude, so Bischof Haas in seiner Ansprache an die rund 300 anwesenden Gäste in der Pfarrkirche zu Türkheim, dass er den Bischof von Kopenhagen vertreten und den beiden Seminaristen, die er in den Jahren zuvor bereits zu Subdiakonen und Diakonen weihte, die Priesterweihe spenden dürfe. Ein göttliche Fügung sei es außerdem, so Haas weiter, dass die Weihezeremonie auf das Fest Ephräms des Syrers falle. „Von ihm sagte man, dass er eine Lyra des Heiligen Geistes sei.“ Auch die Priester sollen Musikinstrumente des Heiligen Geistes sein und dessen Gaben vermitteln. Ihnen sei es aufgetragen, den Schatz der Kirche für die Gläubigen zu heben und geistliche Früchte hervorzubringen, indem sie das „Heilige Opfer darbringen, segnen, Beichte hören, leiten und führen“. Dabei müssen sich die Priester selbst vom „Geist der Heiligkeit durchdringen lassen“: „Ihr sollt predigen nicht durch Worte, sondern durch ein wahrhaft geistliches Leben“, gab der Bischof den Kandidaten mit auf den Weg.

Die Neugeweihten werden ab Herbst ihren Dienst in den Einrichtungen der Petrusbruderschaft antreten: Daniel Bruckwilder wird zum Ort seiner Priesterweihe zurückkehren und das Seelsorgsteam in Türkheim verstärken. Der in Wales geborene Gwilym Evans hingegen wird am weiteren Aufbau des Bruderschaftsapostolats in seiner britischen Heimat mitwirken.

Herzvoruzuheben ist auch der ansprechende musikalische Rahmen der Weihezeremonie, zu dem neben dem Gesang der Seminarschola auch instrumentale Einlagen von Orgel, Trompete und Geige beitrugen. Letztere wurde von keinem geringeren als dem Violinisten Dominik Hellsberg, Orchestermitglied der Wiener Staatsoper, gespielt.

Wie in der Petrusbruderschaft üblich, werden die Neupriester die Sommermonate nutzen, um in den Niederlassungen des Distrikts Nachprimizen zu feiern und ihren neupriesterlichen Segen zu spenden. Die genauen Termine können den Ankündigungen der Niederlassungen entnommen werden.

Text und Fotos: FSSP

 

Bischof Bertram Meier weiht zehn Diakone

Nicht nur für Weihekandidaten des Wigratzbader Priesterseminars, sondern auch für die deutschsprachige Sektion der Bruderschaft waren die diesjährigen Diakonatsweihen von besonderer Bedeutung: Mit Dr. Bertram Meier spendete am 28. Mai erstmals ein amtierender deutscher Diözesanbischof Weihen für die Priesterbruderschaft St. Petrus.

Nach nunmehr zwei Jahren ohne öffentliche liturgische Feiern des Seminars war die Weihe wieder gut besucht. Als der Bischof mit dem Altardienst und der Seminargemeinschaft feierlich in die Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul zu Lindenberg einzog, konnte man in dem imposanten Kirchenschiff etwa 120 Kleriker und 240 Gläubige zählen.

Als eine „große Stunde“ bezeichnete Bertram Meier die Feier in seiner Ansprache: „Dass heute der Ortsbischof von Augsburg die Diakonenweihe spendet, ist ein Zeichen unserer inneren Communio, die uns affektiv und effektiv verbindet – untereinander und mit dem Nachfolger Petri, Papst Franziskus.“ Die zukünftigen Diakone rief er dazu auf, „Stimme des Wortes“ zu sein. Wenn der Diakon in der Liturgie das Evangelium verlese, sei dies „Gottes Wort und nicht sein eigenes“. „Das Wort Gottes lässt sich nicht zähmen“, so Meier, " „Es lässt sich nicht zurechtstutzen nach unseren menschlichen, oft bequemeren Maßstäben. Wir müssen hineinglauben in Gott, damit wir den uns Anvertrauten helfen können, das Maß zu erreichen, das uns Sein Wort vorgibt.“ Er ermutigte die Kandidaten, sich dem Wort Gottes unterzuordnen: „Ihr werdet dadurch nicht ärmer, sondern reicher.“

Den Rat des Bischofs werden die Neugeweihten, darunter auch drei Deutsche, zwei Österreicher und ein Schweizer, in die Apostolate der Bruderschaft mitnehmen. Dort werden sie, wie es ihr Amt vorsieht, am Altar assistieren, das Evangelium verkünden, predigen und bei der Kommunionspendung helfen. Auch die Firm- und Erstkommunionvorbereitung sowie die Jugendarbeit und die Erwachsenenbildung werden Teil ihres Aufgabengebietes sein. Mit der Priesterweihe im Sommer 2023 endet schließlich ihre siebenjährige Ausbildung in Wigratzbad.

Text und Fotos: FSSP

 

Niedere Weihen in Wigratzbad

Am 26. Februar hatten wir erneut die Freude Erzbischof Wolfgang Haas im Priesterseminar zu empfangen, da die Niedere Weihen für 24 Seminaristen anstanden. Die Umbauarbeiten der Seminarkapelle sind inzwischen so weit gediehen, dass solche Zeremonien in würdigem Rahmen stattfinden können. Leider können aufgrund der Enge des Raumes nur ganz wenige Familienanghörige der Kandidaten anwesend sein. Bereits vor einigen Monaten empfingen in unserem amerikanischen Seminar 22 junge Männer die Niederen Weihen.

 

Subdiakonat: Das Tor zu den sakramentalen Weihen

Am Samstag, den 12. Februar, empfingen in der Kapelle des Priesterseminars St. Petrus zehn Seminaristen die Subdiakonatsweihe durch Erzbischof Wolfgang Haas. Sie nehmen damit die letzte Stufe der Vorbereitung auf das eigentliche Weihesakrament.

Bereits für die Urkirche ist ein liturgischer Dienst zur Reinigung der heiligen Gefäße und Tücher belegt. Er war nur Männern vorbehalten und mit einem Keuschheitsversprechen verbunden. Seit dem 3. Jahrhundert wurde das sogenannte Subdiakonat als erste der höheren Weihen gespendet und galt bis zur Neuordnung der Weiheämter im Jahr 1972 als Vorstufe zum eigentlichen Weihesakrament. In den Seminarien der Priesterbruderschaft St. Petrus ist diese Tradition bis heute lebendig und wird in der Regel den Seminaristen des fünften Studienjahrs gespendet.

In diesem Jahr waren es zehn Kandidaten in Wigratzbad, fünf davon aus der deutschsprachigen Studiengruppe, die vor den Altar der Seminarkapelle hintreten durften, um sich durch Erzbischof Wolfgang Haas in den Dienst des Subdiakons stellen zu lassen. Kniend empfingen die Weiheaspiranten zunächst die neuen liturgischen Gewänder: Schultertuch, Manipel und Tunicella. Danach folgte die Übergabe der heiligen Geräte. Der Bischof reichte ihnen Kelch und Patene, Kännchen mit Wasser und Wein sowie das Lektionar zur Berührung mit der rechten Hand. Er übertrug ihnen damit zeichenhaft die Vollmacht zur Reinigung der liturgischen Gefäße und zum Verlesen der Epistel, "damit sie vor seinem Angesicht treu dienend, die den Heiligen bestimmte Belohnung erlangen mögen," wie es im anschließenden Segnungsgebet hieß.

Kraft ihres Amtes dürfen die neugeweihten Subdiakone nun neben dem Diakon im sogenannten Levitenamt, wie es noch in der traditionellen Form des Römischen Ritus gefeiert wird, assistieren. Auch die Verrichtung des kirchlichen Stundengebets ist nun fester Bestandteil ihres geistlichen Lebens. Das Priestertum ist für die zehn Seminaristen somit in greifbare Nähe gerückt.

Text: Josua Falkenau, Seminarist / Fotos: FSSP