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Die Maske ablegen

Manche Gesichtsbedeckungen dienen dem Infektionsschutz, andere wiederum der Kostümierung oder der Kunst. Es gibt jedoch Formen der Verhüllung, die Gott gegenüber eine Illusion des Unerkanntseins erzeugen wollen. Jetzt ist die Zeit, diese Maskerade zu beenden …
 
von P. Martin Ramm FSSP
 

© Shutterstock.com/Zephyr_p

 

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich befürworte das Tragen der ‚Maske‘ überall dort, wo die weltlichen Behörden oder die kirchliche Obrigkeit dies fordert. Lehrt uns doch der Glaube, der rechtmäßigen Autorität zu folgen, nämlich immer dann, wenn eine Forderung nicht gegen das Gewissen ist. Der hl. Apostel Petrus fordert sogar dazu auf, nicht nur den gütigen und milden Herren untertan zu sein, sondern auch den launenhaften (vgl. 1 Petr 2, 18).

Heute weiß jedes Kind, was eine Maske ist. Sieht man ‚Masken‘ doch in jeder Straßenrinne.

Wäre ich vor einem Jahr gefragt worden, was eine ‚Maske‘ sei, hätte ich zunächst vermutlich gar nicht an mutmaßlich antivirale Luftfilter gedacht, sondern geantwortet: Eine Maske ist etwas, wodurch man sein wahres Gesicht verbirgt.

Für das Verbergen des Angesichts kann es unterschiedliche Gründe geben, harmlose und ernste, spaßige und boshafte; wie beispielsweise bei den ‚Panzerknackern aus Entenhausen‘ samt ihren sämtlichen Genossen. Das Böse operiert nämlich gerne unerkannt und lässt nur von Schlag zu Schlag die Maske fallen.

Wird nicht in so manch entarteter Spielart des Karnevals die Maskerade zum Anlass für vielerlei Schändlichkeit? In der Illusion des Unerkanntseins sündigt es sich einfach besser …

So spricht der Ehebrecher: „Finsternis ist um mich her, die Wände verbergen mich, und niemand sieht mich. Wen sollte ich scheuen? Der Höchste wird meiner Sünde nicht achten.“ Doch belehrt uns die Heilige Schrift, „dass die Augen Gottes viel heller sind als die Sonne, dass sie auf alle Wege der Menschen schauen und die tiefsten Abgründe und verborgensten Winkel im Herzen der Menschen durchdringen“ (Sir 23, 26-28 Vulg).

Der erste, dem die Sünde die Schamröte ins Gesicht trieb, war übrigens Adam, den beim Nahen Gottes ein Unwohlsein befiel und der sich darum, mangels Maske, rasch ins Gebüsch schlug (vgl. Gen 3, 8). Denn das ist sicher: Alles Falsche, Lügnerische, Boshafte und Unreine kann vor dem Angesicht Gottes nie und nimmer bestehen.

Warum kann man mit Masken Menschen betrügen, Gott aber nicht? Die Antwort lautet: „Der Mensch schaut auf den Augenschein, der Herr aber schaut ins Herz.“ (1 Sam 16, 7)

Menschen kann man betrügen: mit Masken, mit weißen Westen und leider auch mit schwarzen Soutanen. Und nicht nur ‚Menschen‘ kann man betrügen, sondern auch sich selbst. Man kann sich durchaus für ‚gar nicht so schlecht‘ halten oder vielleicht sogar für ‚ziemlich gut‘, und doch, gleich den Pharisäern, nichts anderes sein als ein ‚übertünchtes Grab‘ (vgl. Mt 23, 27). – Außen hui!

Was nun hat all das mit dem Advent zu tun?

Horche auf die Botschaft des Ersten Adventssonntags!

Erhebe deine Seele zu Gott: „Zu Dir erhebe ich meine Seele; mein Gott, auf Dich vertraue ich, ich muss nicht erröten.“

Es geht darum, dass wir uns neu auf Gott hin ausrichten. Für IHN sollen wir uns vorbereiten. Zu IHM Herz und Haupt erheben: „Levate capita vestra! – Erhebet eure Häupter!“

Du willst nicht erröten? So lege die Maske ab! Sei echt! Sei heilig!

Wirf ab „die Werke der Finsternis“ und lege an „die Waffen des Lichts“! Wandle ehrbar wie am Tag, gleich einem, der nichts zu verbergen hat, der keiner Maske bedarf, der das Licht nicht scheut: „Deine Wege, Herr, zeige mir, und Deine Pfade lehre mich.“

Wer sich jedoch bei gründlicher Gewissenserforschung seiner Sündhaftigkeit bewusst wird, wer schamrot zu werden beginnt und sich entblößt fühlt wie Adam, dem sagt der hl. Apostel Paulus: Lass das Prassen und Betrinken! Lass die Wollust und die Unzucht! Lass den Streit und die Eifersucht! Ziehe vielmehr den Herrn Jesus Christus an! Kleide deine Seele im Gewand SEINER Gnade!

Was immer dir sicher erscheint und unverrückbar wie Sonne, Mond und Sterne: Alles wird erschüttert werden. Im Angesicht des wiederkommenden Christus herrscht Bedrängnis und Verwirrung unter den Völkern, und den ‚Menschen‘ stockt der Atem.

Du aber schau! – Der Menschensohn wird kommen, sichtbar für alle, mit großer Macht und Herrlichkeit. Bist du bereit für IHN?

Wirst du bereit sein, an Weihnachten dem Kind in der Krippe in die Augen zu schauen, ohne zu erröten? – Dann wirst du auch bereit sein, demselben Herrn in die Augen zu schauen, wenn ER wiederkommt als Weltenrichter.

Hörst du den Weckruf? Die Stunde ist da, dass wir uns vom Schlaf erheben! Lege die Maske ab und wische den Schlaf aus deinen Augen! Wandle ehrbar wie am Tag!

Der Advent trägt violett. Er ist eine ‚kleine Fastenzeit‘. Setze – gegen den Mainstream – die richtigen Akzente in klugem Miteinander von äußerer Aszese und innerer geistlicher Erneuerung!

Öffne nicht nur Türchen um Türchen deines Adventskalenders, sondern öffne alle Tore deines Herzens: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“

Entzünde nicht nur die Kerzen deines Adventskranzes, sondern geh auf deinen Heiland zu, winde IHM einen Kranz aus guten Werken und sei darauf bedacht, auf Weihnachten hin deine Seele neu erstrahlen zu lassen im Glanz des göttlichen Lichtes, gleich dem Paradies am Schöpfungsmorgen. Kleide dich in IHN!

Dieses Kirchenjahr, das heute beginnt: Könnte es nicht das beste deines Lebens werden?