„Für den Demütigen ist nichts schwer“ – Tonsur in Lindau

© Priesterbruderschaft St. Petrus
Am Samstag, den 17. Oktober, wurden 13 Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus im Lindauer Münster Unserer Lieben Frau in den geistlichen Stand aufgenommen. Die Tonsur und Einkleidung werden alljährlich an jenen Seminaristen vollzogen, die ihr Spiritualitätsjahr abgeschlossen haben. Die Zeremonie leitete Erzbischof em. Wolfgang Haas.
In seiner Predigt verwies der Bischof auf die Bedeutung des Festes der heiligen Margareta Maria Alacoque. Sie lade dazu ein, „in die Geheimnisse, die Tiefen, die Intimitäten und die Reichtümer des Herzens unseres Erlösers einzutreten“. Dieses Herz sei „für unser Heil und unsere Heiligung offen“.
Als entscheidenden Weg zu Christus hob Haas die Demut hervor. Sie sei „eine unverzichtbare Voraussetzung für alle anderen christlichen Tugenden“. Dabei erinnerte er an die Worte Jesu: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ Gerade für die künftigen Priester sei diese Haltung von wesentlicher Bedeutung. Mit einem Zitat des heiligen Leo des Großen unterstrich der Erzbischof seine Botschaft: „Für die Demütigen ist nichts schwer.“ Wer nicht auf die eigenen Kräfte, sondern auf Gottes Gnade vertraue, könne auch großen Herausforderungen begegnen. Dazu passe das Wort des Apostels Paulus: „Ich bin schwach; je schwächer ich bin, desto stärker bin ich.“
Auch die Zeichen der Liturgie erläuterte Haas im Licht dieser geistlichen Haltung. Die Tonsur erinnere daran, „dass der Betroffene seinen Geist nicht durch weltliche Sorgen von der göttlichen Kontemplation ablenken lassen darf“. Die Einkleidung mit dem weißen Gewand über der schwarzen Soutane stehe für „Geburt in ein neues Leben und Tod für die Welt“. Darin komme die Bereitschaft zum Ausdruck, Christus nachzufolgen und sich ganz Gott zu weihen.
Im Anschluss an die Predigt schnitt Haas jedem Kandidaten einige Haare in Form eines Kreuzes ab. Die Tonsur, die traditionell den Eintritt in den geistlichen Stand und den Weg zu den heiligen Weihen markierte, wird von der Priesterbruderschaft St. Petrus bis heute als geistliches und pädagogisches Zeichen gepflegt. Anschließend wurden die Seminaristen mit dem weißen Gewand bekleidet, dessen Farbe an die Reinheit des Taufkleides erinnert, die sie bewahren sollen.
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