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Zeichen der Demut – Tonsur und Einkleidung in Lindau

Am Samstag, den 22. Oktober, empfingen 21 Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus die Tonsur und ihr geistliches Kleid. Für die jungen Männer, die im Sommer ihr erstes Studienjahr abgeschlossen haben, war es die erste von sieben liturgischen Etappen auf dem Weg zu Priestertum.

Erzbischof Wolfgang Haas war aus Vaduz angereist, um die rituellen Handlungen im Münster zu Lindau vorzunehmen. Dabei schnitt er den Kandidaten einige Haare in Kreuzesform ab, als Zeichen der Abkehr von allem Irdischen, anschließend überreichte er ihnen in Anlehnung an das Taufkleid den weißen Chorrock des Klerikers.

Diesen rituellen Akt der Hingabe an Christus hatte der Bischof zuvor auch in seiner Predigt aufgegriffen, indem er die Kandidaten zur Demut aufrief, welche die Voraussetzung für alle anderen Tugenden sei. „Die Demut besteht darin“, so Haas, „seine eigene Ohnmacht zu erkennen, sowie die Notwendigkeit, bei Gott Zuflucht zu suchen, und ihm alles Gute zuzuschreiben, das wir machen können.“ Die Demut schütze vor Eitelkeit, falschem Ehrgeiz und Überheblichkeit. Für die zukünftigen Kleriker gelte in besonderer Weise das Vorbild Christi: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11, 29).

Auch wenn mit der Tonsur nach dem neuen Kirchenrecht nicht mehr die Aufnahme in den Klerikerstand verbunden ist, so hat sie für das Priesterseminar nach wie vor einen spirituellen Wert als Eingangstor zu den niederen und höheren Weihen. Die Eingekleideten werden von nun an als offizielle Mitglieder Priesterbruderschaft St. Petrus geführt und dürfen, wie ihre Mitstudenten in den höheren Jahrgängen, die schwarze Soutane tragen.