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Theologischer Sommer 2020

 

 

 

 

Zum zweiten Mal hielt die Priesterbruderschaft Sankt Petrus in diesem Jahr 13. bis 17. Juli ihren „Theologischen Sommer“ in Wigratzbad ab. Dessen Konzept klang mir einfach und prägnant, als ich ihn im Informationsblatt der Bruderschaft entdeckte: Dozenten des Priesterseminars liefern eine komprimierte und kompakte Version ihrer jeweiligen Lehrvorlesung vor einem kleinen, hochengagierten Zuhörerkreis.
Aufgrund der Covid19-Pandemie war es lange fraglich gewesen, ob das einwöchige Seminar überhaupt würde stattfinden können. Doch rechtzeitig waren die Kontaktverbote aufgehoben worden, so daß wir uns schließlich doch im schönen Allgäu einfinden konnten. Ich war einer von nur zwei Laien, die neben den 13 Priestern teilnehmen durften. Außerdem traf ich auch noch zu spät zum Abendessen ein und hatte die Funktionskleidung noch am Leib, die ich zuvor auf einer Bergtour getragen hatte.

Aber mit welcher Herzlichkeit wurde ich da begrüßt! Ein älterer Pater befand sich gerade am Eingang und erkundigte sich freundlich nach meinem Herkommen. Ohne Aufhebens wurde ich in die Tischgemeinschaft aufgenommen, und ehe ich‘s mich versah, befanden wir uns nach dem Mahl schon im angeregten Gespräch.
„Lætus Conventus“ nannte sich diese Einrichtung, die wir nun alle Abende pflegten, sich nämlich nach dem Essen im lauen Innenhof bestens zu unterhalten und dabei die Gottesgabe der Braukunst nicht zu verschmähen. Im Laufe der Woche wurden auch Skatkarten hervorgeholt, und ich erwog, nächstes Mal meine Mundharmonika mitzunehmen.

So gesellig der Abend, so anspruchsvoll erwies sich das Pensum am Tage. Schon nach wenigen Sätzen war mir klar, dass dieses genau die Theologie war, die ich gesucht hatte. Die wahre katholische Lehre in ihrer wunderbaren, komplexen Schönheit, dieses gedankliche Gebäude, das mich schon als Schüler fasziniert und seither immer mehr intellektuell angezogen hatte, obgleich ich fachlich ganz andere Wege gegangen war.
Der Unterricht erfolgte so, wie es sich jahrhundertelang bewährt hat und heute als „frontal“ in falschen Verruf gekommen ist: Keine Stuhlkreise, keine langatmigen Vorstellungsrunden und unqualifizierte Diskussionsbeiträge aus dem Auditorium. Vielmehr hochkonzentrierter Vortrag von durchweg hervorragenden Dozenten zu einigen Traktaten, die glasklar umrissen und in stringenter Systematik entwickelt wurden, darunter beispielsweise die Gnadenlehre, das Weiheamt, die Sakramente der Ehe und der Taufe und weitere.

Die Teilnehmer waren Priester unterschiedlichen Alters und Herkunft, einige sogar aus dem Ausland. Viele kannten sich bereits, und die Neulinge, darunter auch ich, wurden herzlich einbezogen. „Die Petrusbrüder haben den Kopf im Himmel und beide Füße fest auf der Erde“; so brachte es einer von ihnen auf den Punkt, und ich kann nur von Herzen zustimmen. In jedem einzelnen Fall ein menschlicher Gewinn waren auch die Begegnungen mit den Seminaristen, von denen einige in den Sommerferien unseren Kurs unterstützten und begleiteten. Als hervorragend erwies sich überdies die Küche des Hauses.
Am wertvollsten freilich war die Liturgie. Jeden Morgen wurden Privatmessen zelebriert, was ich als Laie erst einmal erlebt hatte. Dem Opfer des Priesters in solcher Intimität beiwohnen zu dürfen, war mir ein kostbares Geschenk.

An einem der Nachmittage ersetzten wir die Vorlesungen durch einen Ausflug nach Bad Schussenried In der ehemaligen Abtei der Prämonstratenser zelebrierte Pater Conrad, der Leiter unseres „Theologischen Sommers“, das Levitenamt, dazu sang die Schola der Bruderschaft. Es war tatsächlich so, wie man es sagt: Die Liturgie öffnet uns ein Fenster auf den Himmel. Noch lange nach der Messe verharrten wir in stiller Anbetung.
Vor dem Altarraum befinden sich Reliquienschreine des Heiligen Valentin und des Heiligen Vinzenz. Für uns wurde einer der beiden Schreine geöffnet, und wir konnten die Reliquie berühren. Eine große Kraft strömte von ihr aus, und sie wurde Teil jener Kraft, welche die Feier der Heiligen Messe mir gab, die Behandlung der theologischen Fragen im Laufe dieser intensiven Woche, die Beichte, die ich ablegen durfte, die zahllosen guten Gespräche und Begegnungen.
Jener Pater, der mich bei meiner Ankunft begrüßt hatte, befand sich wieder an der Tür des Priesterseminars, als ich meine Heimreise antrat. Ich kniete nieder, um den Reisesegen von ihm zu empfangen.

Ein kostbarer Schatz war diese Woche gewesen; voller Dankbarkeit denke ich daran zurück. Diese Dankbarkeit gilt allen, denen ich in Wigratzbad begegnen durfte, unseren hervorragenden Referenten und nicht zuletzt natürlich Pater Sven Conrad FSSP, dessen umsichtige Planung und sichere Leitung das Seminar zu einem gelungenen Erfolg gemacht haben.

von Dr. Martin Heipertz, Teilnehmer am Theologischen Sommer