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Mundentur corda hominum!

Die Herzen der Menschen sollen geläutert werden!

von P. Martin Ramm FSSP

Wer in diesen Tagen des Advent mit wachem Auge umherschaut, wird vieles bemerken, was mit dem christlichen Advent nicht viel oder nichts zu tun hat. Für jeden, der wirklich an das Geheimnis der Menschwerdung Gottes glaubt, muss es schmerzhaft sein zu sehen, wie sehr in diesen Tagen Heiliges missbraucht wird, um die Kauflust zu stimulieren. Viele Darstellungen des Christkindes, der heiligen Engel oder des heiligen Nikolaus reichen von anstößig bis obszön.

Es würde aber nicht viel nützen, über die Verfälschung und Kommerzialisierung des Advent nur zu klagen. Einerseits sollen wir Christen uns nicht alles gefallen lassen. Wo die Möglichkeit besteht, sollten wir unsere Stimme hören lassen und gegen die Verunglimpfung des Heiligen auch in geziemender Weise protestieren. Andererseits ist es aber noch viel wichtiger, dass wir wachsam sind und uns nicht selber von einem falschen Geist anstecken und mit dem großen Strom mitreißen lassen.

Um den wahren Sinn des Advent tief zu erfassen, ist es äußerst nützlich, wachen Sinnes der Liturgie der Kirche zu folgen.
Nicht umsonst steht ganz zu Beginn des Advent in der Epistel des ersten Adventsonntages der Weckruf des hl. Apostels Paulus: „Hora est jam nos de somno surgere. - Die Stunde ist da, vom Schlafe aufzustehen; denn jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir zum Glauben kamen.” (Röm 13,11) Wir sollen uns aufrütteln lassen, entschieden ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. Einen wichtigen Hinweis zur Grundrichtung des Advent gibt die adventliche Liturgie durch die violette Farbe. Violett ist bekanntlich die Farbe der Buße. Sie kennzeichnet den Advent als ‚kleine Fastenzeit’, und wenn er auch in vieler Hinsicht sehr viel milder ist als die ‚große Fastenzeit’, so ist grundsätzlich sein Bußcharakter doch unverkennbar. Ob wir nun bereit sind, dem zu entsprechen und unseren persönlichen Advent entsprechend zu gestalten? Es liegt ja ganz bei uns, ob wir schon den Advent eine Zeit der Gaumenfreuden sein lassen, selbst auf die Gefahr hin, ihrer zu Weihnachten bereits überdrüssig zu sein, oder ob wir bewusst Verzicht üben in wachsender Vorfreude auf jenen Tag, von dem die erste Antiphon der ersten Adventsvesper im Anklang an die alttestamentliche Heilsverheißung sehr poetisch sagt: „In illa die stillabunt montes dulcedinem. – An jenem Tag träufeln die Berge Süßigkeit und die Hügel werden fließen von Milch und Honig, alleluja.” Ein richtiger Advent bietet gute Gewähr, in echter Weihnachtsfreude jenen ‚süßen Tag’ auch in all seinen sinnlich angenehmen Dimensionen wirklich genießen zu können.

Überhaupt findet man unter den adventlichen Antiphonen des Breviers manch kostbare Perle. So lautet etwa die neunte Antiphon zur Sonntagsmatutin im Advent: „In adventu summi Regis mundentur corda hominum. – Zur Ankunft des großen Königs sollen die Herzen der Menschen geläutert werden, damit wir würdig ihm entgegengehen; denn seht, er wird kommen und nicht zögern.” Genau in diesem Streben nach innerer Läuterung, in der ganz neuen Ausrichtung auf Christus hin und im bewussteren ‚IHM Entgegengehen’ besteht der eigentliche und tiefere Sinn des Advent. Dazu begegnet uns Jahr für Jahr der Ruf zur Läuterung und zur Bekehrung in der Gestalt des hl. Johannes des Täufers, der als Herold des großen Königs die Worte des Propheten Isaias aufgreift: „Bahnt einen Weg für den Herrn, ebnet in der Steppe einen Pfad für unseren Gott!
Es hebe sich jedes Tal, es senke sich jeder Berg und Hügel; was uneben, werde zur Ebene, das Hügelige zum Flachland!
Ja, offenbar wird die Herrlichkeit des Herrn, und alles Fleisch wird sie schauen; denn des Herrn Mund hat gesprochen.” (Is 40,3 - 5) Wo der Advent in seiner wirklichen Bedeutung gelebt wird, da heben sich Täler von Kleinmut zum Großmut, da senken sich Berge vom Hochmut zur Demut. Was verbogen ist, wird gerade, und was uneben ist, ebener Weg. Der Advent ist eine kostbare Zeit, und nur wo wirklich Advent ist, kann dann auch wirklich Weihnachten sein.