Wigratzbad - Priesterseminar St. Petrus

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Mit Gott Mauern überspringen – Tonsur in Lindau

Am 23. Oktober 2021 empfingen 16 Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus die Tonsur von S. E. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz, in der Basilika „Unserer lieben Frau“ zu Lindau.

„Wir müssen alle dafür danken, trotz aller Umstände hier sein und Gott die Ehre geben zu dürfen,“ begann der Bischof seine Ansprache und spielte dabei auf die ungewisse Situation der Priesterbruderschaft St. Petrus in Folge des Motu Proprio Traditionis custodes an. Die anwesenden Gäste rief er dazu auf, der Allmacht und Vorsehung Gottes zu vertrauen, die das Geschick eines jeden Menschen – und das der Bruderschaft – lenke. Mit einem Zitat des heiligen Antonius Maria Claret, der alle Menschen dazu einladen wollte, Gott kennenzulernen und zu lieben, wandte er sich an die Tonsuranten: „Wir sind als Christen erfüllt von der Liebe Gottes und von der Liebe zu den anderen. Wer liebt, wie Er liebt, überspringt mit Gott Mauern.“

Daraufhin erläuterte Bischof Haas die äußeren Zeichen der Tonsur: Das Haupthaar sei Symbol für die Krone, die für Königlichkeit und in ihrer Kreisform für das Erstreben der Vollkommenheit stünde. Wenn den Kandidaten einige Haupthaare entfernt werden, sei dies eine Aufforderung, sich nicht durch zeitliche und irdischen Sorgen von göttlicher Kontemplation ablenken zu lassen. Der Herr solle sich in die Herzen der Tonsurierten einschreiben.

Die Tonsur wird den Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus nach dem ersten Jahr ihrer Ausbildung, dem sogenannten Spiritualitätsjahr, erteilt. Sie ist im alten römischen Ritus die feierliche Einführung in den geistlichen Stand. Die neu Tonsurierten beginnen nun mit dem Studium der Philosophie als zweite Etappe ihrer ingesamt siebenjährigen Ausbildung bis zur Priesterweihe.

Text: Josua Falkenau, Seminarist / Fotos: FSSP

 

Wenn Himmel und Erde sich berühren – Priesterweihe 2021

Am 26. Juni empfingen drei Absolventen des Wigratzbader Seminars die Priesterweihe. Die Gastfreundschaft der Benediktiner von Ottobeuren machte es möglich, dass die Zeremonie trotz Abstandsregeln im Beisein von 350 Gästen stattfinden konnte.

Die drei Weihekandidaten wirkten fast unscheinbar, als sie nach dem Einzug in die Basilika von Ottobeuren vor dem imposanten Hochaltar niederknieten. Über ihnen trohnte auf einem barocken Altargemälde die Allerheiligste Dreifaltikgeit. Der Gottessohn, flankiert vom Kreuz, dem Zeichen der Erlösung, setzte seinen Fuß auf die Erdkugel, die von Engeln emporgehoben wurde.

„Im glanzvollen Raum dieser heiligen Stätte lässt sich die Berührung von Himmel und Erde erahnen“, sagte Erzbischof Wolfgang Haas in seiner Ansprache an die anwesenden Priestern, Seminaristen und Gläubigen. Diese „Berührung“ geschehe auf geheimnisvolle Weise bei der Priesterweihe – durch die „Handauflegung des Bischofs“ und die „Salbung der Priesterhände“. Wenn dann den Neugeweihten Kelch und Patene übergeben werden, verweise dies auf das Messopfer, der „unblutigen Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi“, der „Darbringung seines Leibes und Blutes zur Rettung der Welt“. "Sursum corda – Erhebet die Herzen", ermunterte der Bischof schließlich die Anwesenden, "schauen wir hinauf zum himmlischen Altar, der eigentlichen Perspektive unseres Lebens". Den Weihekandidaten trug er auf, allen Menschen diesen „Aufblick zu Gottes Herrlichkeit ans Herz zu legen“. Dann vollzog er an ihnen jene heiligen Zeichen, die er zuvor gedeutet hatte.

Sieben Jahre lang hatten sich Alois Nešpor (41), Charles Berger de Gallardo (31) und Josef Unglert (26) am Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad mit Studium und Gebet auf diesen Moment vorbereitet. Mit der Priesterweihe ist ihre Ausbildung aber noch nicht beendet. Sie werden erst einmal an mindestens zwei Niederlassungen der Petrusbruderschaft Erfahrungen sammeln, bis ihnen dann die Leitung eines Apostolates übertragen werden kann. Charles Berger de Gallardo kehrt in seine französische Heimat zurück und kommt an einer Schule in der Normandie zum Einsatz. Der aus Tschechien stammende Alois Nešpor tritt seinen Dienst in Linz an. Und der in Memmingen geborene Josef Unglert geht seine ersten Schritte als Seelsorger in der Kölner Niederlassung. Mögen sie dort – gemäß der Aufforderung des Bischofs – möglichst viele Herzen mit Gott in Berührung bringen. Bei den Gästen ihrer Priesterweihe, die nach der Tristesse des vergangenen Pandemiejahres endlich wieder einer feierlichen Liturgie beiwohnen durften, ist ihnen das bereits gelungen.

Text und Fotos: FSSP

 

Meine Stunde ist die Stunde des Herrn

Wenn auch nicht im gewohnt festlichen Rahmen, so war es dennoch für die neun Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus eine besondere Stunde, als sie am Samstag, den 8. Mai, die Diakonenweihe in Wigratzbad empfingen.

 

Erneut stattete S.E. Erzbischof Haas dem Priesterseminar St. Petrus einen Besuch ab, um die erst neulich geweihten Subdiakone in den Rang von Diakonen zu erheben, der letzten Weihestufe vor dem Priestertum. Auch dieses Mal konnte die Zeremonie aufgrund der bekannten Umstände nur im kleinen Rahmen der Seminarkapelle stattfinden. Die Angehörigen mussten einmal mehr mit der Teilnahme an den Bildschirmen vorliebnehmen.

Während der Bischof den Subdiakonen im März noch den Nährvater Jesu vor Augen stellte, war es nun die Mutter des Herrn, die im Tagesevangelium des 8. Mai in Erscheinung trat: „Was willst Du, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen“, erwiderte Jesus seiner Mutter bei der Hochzeit zu Kanaa, nachdem sie ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass den Feiernden der Wein ausgegangen war. Diese Stunde, so der Bischof in seiner Ansprache, sei das Opfer Christi am Kreuz, das durch seine Auferstehung verherrlicht wurde. Und diese Stunde sei für uns alle, besonders in der hl. Messe, auch heute noch präsent. Am heutigen Tag sei dies jedoch auch eine besondere Freudenstunde der Diakone mit dem Herrn. Die Gläubigen dürfen sich in dieser Feier mit dankendem Herzen an Gott wenden, um im Gebet für die Kandidaten einzutreten, welche mit dieser Stunde ihren diakonalen Dienst in der Kirche antreten.

An die bischöfliche Predigt schloss sich der eigentliche Weiheakt an, durch den die neun Kandidaten in den Klerikerstand aufgenommen wurden: „Empfange die weiße Stola aus der Hand Gottes; vollziehe Dein Amt; denn Gott ist mächtig, dass er in Dir seine Gnade vermittle … es bekleide dich der Herr mit dem Gewand des Heils und dem Kleid der Freude, und die Dalmatik der Gerechtigkeit umhülle Dich immer“, betete der Bischof, als er den neuen Diakonen die liturgischen Gewänder anlegte. Daraufhin überreichte Msgr. Haas den Diakonen das Evangeliar als Zeichen der Vollmacht, das Evangelium zu lesen und zu predigen. Der älteste der Neugeweihten verlas in der anschließenden Pontifikalmesse als Ausdruck dieser empfangenen Vollmacht das Tagesevangelium.

Für die neun Diakone steht die letze Etappe ihrer siebenjährigen Ausbildung an. Nachdem sie ihr akademisches Studium weitgehend abgeschlossen haben, werden sie nun in den Apostolaten der Bruderschaft in die pastorale Praxis eines Seelsorgers eingeführt, um dann – so Gott will – im Sommer 2022 erneut vor den Bischof hinzutreten und um die Priesterweihe zu bitten – dann hoffentlich in einem Rahmen, der dieser besonderen Stunde angemessen ist.

Text: Josua Falkenau, Seminarist / Foto: FSSP

 

Niedere Weihen: Leben nach dem Vorbild des hl. Joseph

Ein Stück Nazareth lebte in der Hauskapelle St. Joseph auf, als Erzbischof Haas im Priesterseminar St. Petrus die Niederen Weihen spendete und den Kandidaten das Vorbild des Nährvaters Jesu ans Herz legte.

 

Am Samstag, den 6. März 2021, zog S. E. Wolfgang Haas mit sechzehn Seminaristen, darunter fünf aus der deutschen Studiengruppe, in die Seminarkapelle ein, um sie zu Ostiarier, Lektoren, Exorzisten und Akolythen zu weihen.

Gleich zu Beginn wandte sich der Erzbischof von Vaduz an die Anwesenden in der Kapelle und vor den Bildschirmen und stellte eine Verbindung zwischen den Weihestufen und der Gestalt des hl. Joseph her. So sei der Pflegevater Jesu ein Ostiarier gewesen, der die Schlüssel des Hauses in Nazareth verwaltete und verantwortlich dafür war, dieses Heim zu einem heiligen Ort für Maria und den kleinen Jesus zu machen. Auch sei er der Lektor, also Vorbeter, der Heiligen Familie gewesen und ein Exorzist, der diese vor dem Bösen bewahrte, wie z.B. auf der Flucht nach Ägypten. Der hl. Joseph werde daher in einer eigenen Litanei mit dem Titel ‚Schrecken der Dämonen’ angerufen. „Der hl. Joseph war zudem ein Akolyth“, so der Erzbischof weiter, „hat er doch schon an der Krippe, dem ersten Altar, mit Licht für Helligkeit und Wärme gesorgt.“

Nach der Ansprache des Bischofs traten acht Seminaristen des dritten Jahres vor den Altar und nahmen die Kirchenschlüssel entgegen, mit denen sie die Kapellenpforte einmal verschlossen und wieder öffneten. Damit wurde ihnen symbolisch der Pförtnerdienst (Ostiarier) übertragen. Anschließend empfingen dieselben Seminaristen die Weihe zum Lektor: Der Bischof reichte ihnen das Lektionar als Zeichen der Vollmacht, die liturgischen Lesungen zu verkünden.

Nun waren acht Seminaristen des vierten Jahres an der Reihe. Zuerst empfingen sie die Weihe zum Exorzisten, ein Amt, dessen Ausübung zwar ausschließlich Priestern mit Beauftragung des Ortsbischofs vorbehalten ist, das jedoch den Seminaristen als Stärkung auf dem Weg zum Priestertum und für den lebenslangen Kampf gegen das Böse dienen soll. Darauf folgte die Akolythenweihe. „Schüttelt ab die Werke der Finsternis“, betete der Bischof, als er den acht Kandidaten brennende Kerzen überreichte, „und ziehet an die Waffen des Lichtes! (...) Wandelt als Kinder des Lichtes!“

Mit feierlichen Segensgebeten über die neugeweihten Seminaristen vollendete S. E. Wolfgang Haas schließlich die pontifikale Stillmesse in der Hauskapelle des Priesterseminars.

Niedere Weihen: In der Petrusbruderschaft gliedert sich der Weg zum Priestertum in sieben Stufen, den vier niederen und den drei höheren Weihen. Diese aufeinander aufbauenden Weihestufen sind in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zugleich einzelne Ämter, die als Vorstufen zum Priesteramt gelten. Zu den niederen Weiheämtern zählen der Ostiarier, der Lektor, der Exorzist und der Akolyth.

Text: Josua Falkenau, Seminarist / Foto: FSSP

 

Unter den Augen Gottes, nach dem Vorbild der Hl. Familie

Am 13. Februar 2021 weihte S.E. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz, neun Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus in Wigratzbad zu Subdiakonen. Drei von ihnen studieren in der deutschsprachigen Sektion des internationalen Seminars.

Der Erzbischof wandte sich zuerst an die Angehörigen, welche die Zeremonie per Livestream mitverfolgen konnten, und erinnerte daran, dass nicht nur die Seminaristen und Priester in besonderer Weise unter dem gnadenvollen Blick Gottes ständen, auch alle Gläubigen müssten unter den Augen Gottes leben und sich unter den Höchsten, Christus, den Herrn, stellen und sich für ihr Leben verantworten. Dieses „sub“ (unter) könne man immer in der Lehre der Kirche finden. Wenn nun die Gläubigen in den Subdiakonatsweihen mit den Augen der physisch anwesenden heilige Handlungen sehen und Gebete hören, sollten sie im Glauben, im Denken und im eigenen Gebet immer tiefer die Ausrichtung ihres Lebens auf den Höchsten, Jesus Christus, durchdringen und verinnerlichen.

Zum Empfang der Weihe traten nun die Kandidaten mit Schultertuch, Albe und Zingulum bekleidet und einer brennenden Kerze in der Hand vor den Bischof hin. Nachdem sie vom Bischof noch einmal ermahnt wurden, ihre Entscheidung gut abzuwägen, legten sie sich beim Klang der gesungenen Allerheiligenlitanei flach auf den Boden, um so ihre Ganzhingabe zum Ausdruck zu bringen. Es folgten eine Reihe von Belehrungen über die äußeren und inneren Pflichten des Subdiakons. Schließlich reichte Bischof Haas den Kandidaten den Messkelch, die Patene und die mit Wein und Wasser gefüllten Kännchen zur Berührung. Damit wurde symbolisch angezeigt, dass sie nun die Vollmacht besitzen, die heilige Gefäße zu reinigen. Schließlich erhielten die Weihekandidaten die liturgischen Gewänder und das Lektionar als Zeichen der Vollmacht, die Epistel zu verlesen.

Vor dem Hintergrund des jüngst von Papst Franziskus ausgerufenen Jahr des heiligen Joseph stellten sich die neugeweihten Subdiakone zum Schluss unter den besonderen Schutz des mächtigen Kirchenpatrons und erinnerten sich an die Eingangsworte von Bischof Haas: „Wir müssen uns so unter den Willen Gottes stellen, wie es Maria in der Tiefe Ihres Herzen so vorbildlich für alle Menschen getan hat. Und auch wie Ihr keuscher Bräutigam, der heilige Joseph, dem die heilige Jungfrau Maria anvertraut war. Nehmen wir uns an Ihnen ein Vorbild.“

Der Subdiakon assistiert am Altar in einem sogenannten Levitenamt. Er betet mit Zelebrant und Diakon das Ordinarium, singt die Epistel und reinigt die heiligen Gefäße. Die liturgischen Gewänder des Subdiakon sind Schultertuch, Albe, Manipel und Tunicella. Das Subdiakonat ist in der reformierten Liturgie Papst Pauls VI. nicht mehr vorgesehen, besteht aber in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus fort und wird an Seminaristen gespendet, die kurz vor dem Studienabschluss und dem Empfang der Diakonenweihe stehen.

Text: Josua Falkenau, Seminarist / Fotos: FSSP