Wigratzbad - Priesterseminar St. Petrus

Niederlassungsinfo

Priesterweihe: „Faszination für Christus und seine Kirche bringt die Wende“

Das Hochfest Peter und Paul, das die katholische Kirche am 29. Juni begeht, war und ist in vielen Diözesen ein klassischer Weihetag. Auch die Petrusbruderschaft durfte am diesjährigen Gedenktag der Apostelfürsten, der zugleich das Patrozinium der Gemeinschaft ist, sechs Absolventen ihres Wigratzbader Seminars zur Priesterweihe führen. Vor den Augen von etwa 750 Gläubigen empfingen die vier französischen Kandidaten Christophe Joly, Hubert Lion, Thibaut Matschek, Thomas Souville sowie die beiden Deutschen Janosch Donner und Julius Kappel in der Pfarrkirche St. Margareta, Heimenkirch, die Vollmacht „zu opfern, zu weihen, vorzustehen, zu predigen und zu taufen“, wie es im Weiheritus der außerordentlichen Form heißt.

Bischof Czesław Kozon aus Kopenhagen, der die Weihen spendete, erinnerte in seiner Ansprache daran, dass der priesterliche Dienst in der Person Christi verwurzelt sein müsse – als Antwort auf seinen Ruf und als ständige Herausforderung, seinem Beispiel zu folgen. Dies solle den Kandidaten stets im Bewusstsein bleiben, damit sie immer Christus und nicht sich selbst verkünden. Auch wenn für die Weihekandidaten nach siebenjähriger Ausbildung ein Ziel erreicht ist, so treten sie ihr Amt in einer Zeit voller Herausforderungen an: Streit, Unsicherheit und grobes Versagen innerhalb der Kirche verursachen Verwirrung und Enttäuschung. Viele Menschen sind dem Glauben entfremdet und haben das Vertrauen in die Kirche verloren. Nur eine neue und tiefgehende Faszination für den Herrn und seine Kirche – für ihre Geschichte, ihre Heiligenschar, ihre Liturgie und ihre prägende Kraft für Mensch und Gesellschaft – trage die zukünftigen Priester durch diese Schwierigkeiten hindurch und könne die Wende herbeiführen, so der Bischof weiter. Wie der Engel in der Tageslesung dem gefangenen Petrus in die Seite stößt, um ihn in die Freiheit zu führen (Apg. 12,7), so sollen sich auch die zukünftigten Neupriester immer wieder „wecken“ lassen, um die sich bietenden Chancen in der Seelsorge und in ihrer Gottesbeziehung zu ergreifen.

Nach der fast vierstündigen Zeremonie ist den neugeweihten Priestern die Dankbarkeit und auch die Freude und Aufbruchsstimmung, von der Bischof Kozon sprach, anzumerken. Sie treten nun ihre erste Seelsorgsstelle im wachsenden Apostolat der Petrusbruderschaft an: Christophe Joly, Hubert Lion, Thibaut Matschek und Thomas Souville sind für Aufgaben im französischen Distrikt vorgesehen, Janosch Donner und Julius Kappel werden in den Niederlassungen in Stuttgart und Wien eingesetzt.

 

Diakonenweihe 2019 in Gestratz: Dienst am Wort Gottes und am Nächsten

Am 25. Mai durften sieben Seminaristen des Priesterseminars St. Petrus – darunter vier aus der deutschsprachigen Gruppe – vor den Altar treten, um durch die Hände von S.E. Marc Aillet die Diakonenweihe zu empfangen. Die etwa zweieinhalbstündige Zeremonie fand unter dem Beisein von rund 500 Gläubigen in der altehrwürdigen Pfarrkirche St. Gallus in Gestratz statt, deren wechselhafte Geschichte bis in das Hochmittelalter zurückreicht.

In seiner Ansprache ging der Bischof der südfranzösischen Diözese Bayonne auf den Tagesheiligen Gregor VII. ein. Der Papst aus dem 11. Jahrhundert gilt als großer Reformer, der die Freiheit der Kirche gegenüber dem Einfluss weltlicher Macht verteidigte sowie Disziplin und Sitten des Klerus wiederherstellte. Rund Tausend Jahre nach dem Tod Gregors scheinen diese Reformanliegen, so Bischof Aillet, noch immer aktuell zu sein. Die Sitten des Klerus seien erneut in Unordnung geraten. Zunehmend werde heute die Identität des Priesters, vor allem die Disziplin des Zölibats, in Frage gestellt. Die freiwillig übernommene Verpflichtung zur Ehelosigkeit sei aber wichtig, betonte der Bischof, weil sie die Lebensform Jesu nachahme – die Hingabe seines Leibes im Kreuzesopfer, welche in jeder heiligen Messe gegenwärtig werde. Mit dem Empfang der Weihe verbänden sich die zukünftigen Diakone mit dieser Hingabe Christi an die Menschen. Zudem erhielten Sie die Vollmacht, zu predigen, zu taufen und dem Priester zu assistieren. Mit der Handauflegung treten die Kandidaten ein in den Dienst am Nächsten und am Wort Gottes. Sie seien dazu aufgerufen, den Glauben, den sie in der Taufe empfangen haben und in dem sie ausgebildet wurden, treu zum Bekenntnis der Apostel zu verkünden. Diese Verkündigung sei jedoch ein geistlicher Kampf, fügt Bischof Aillet hinzu und verweist auf den Protodiakon und Erzmärtyrer Stephanus. Es gefalle dem Teufel nicht, so zitiert er Gregor VII., dass sich die Gnade verbreite. Je mehr sich die Zeiten dem Ende zuneigten, desto mehr kämpfe das Böse dagegen an. Von diesen Angriffen seien heute nahezu alle Bereich betroffen: Ehe, Familie, Priestertum, Kirche.

Als die neugeweihten Diakone nach dem Schlusssegen wieder durch das Kirchenschiff schritten, vorbei an dem spätgotischen Bildzyklus über das Leben Jesu, schienen die alten Mauern etwas über den Weg der sich stets erneuernden Kirche durch die Zeit zu erzählen. Im 15. Jahrhundert verschüttet und wieder aufgebaut, im 16. Jahrhundert von schwedischen Truppen profaniert und wieder geweiht, hat dieses Gotteshaus das Bekenntnis zum menschgewordenen Gottessohn in seinen jahrhundertealten Fresken durch die Stürme der Zeit getragen. Bei den Darstellungen über das Leben Mariens klang schließlich noch einmal der letzte Appell des Bischofs nach: Mögen die neuen Diakone bei allen Schwierigkeiten ihre Zuflucht bei Maria suchen; sie ist Helferin und treue Kämpferin und wird der Schlange den Kopf zertreten.

 

Subdiakonenweihe und Niedere Weihen in Gestratz (16. Februar 2019)

Weihepredigt von S.E. Dr. Bischof Vitus Huonder:
Heute nehme ich fünf verschiedene Weihen vor, die Weihe von Ostiariern und Lektoren, von Exorzisten und Akolythen sowie von Subdiakonen. Alle Weihen haben das eine gemeinsam: Sie sind Schritte hin auf das Priestertum. In jeder dieser Weihen sind Elemente vorhanden, welche sich voll im priesterlichen Dienst entfalten sollen. Deshalb müssen die Niederen Weihen und der Subdiakonat und ihr jeweiliger Auftrag immer schon von der Priesterweihe her betrachtet werden.
Der Priester ist das Abbild des guten Hirten. Das bedeutet, dass er die ihm anvertrauten Menschen zu Gott führen soll, zum dreifaltigen Gott. Daher kommt mit dem sakramentalen Priestertum immer auch das christliche Leben in den Blickpunkt, und es stellt sich die Frage: Welche Gestalt hat das christliche Leben? Es ist wichtig, dass sich Priesteramtskandidaten darüber Rechenschaft geben schon lange vor dem unmittelbaren Empfang der Priesterweihe. Denn einerseits sollt Ihr euch, meine Lieben, darauf vorbereiten, gute Hirten zu sein und Menschen auf die Weide des ewigen Lebens zu führen. Anderseits sollt Ihr selber Vorbild für eine christliche Lebensführung sein. Denn nur wer ein Vorbild ist, kann auch wirklich Hirte sein.
So frage ich nun mit Euch: Wie verwirklicht sich das christliche Leben? Dazu können wir verschiedene Antworten geben. Für meine Antwort heute nenne ich drei Begriffe: Die Hinwendung zu Gott, die ehrfurchtvolle Haltung und das sakramentale Priestertum. In lateinischen Ausdrücken möchte ich dies so formulieren: Christliches Leben in seiner Fülle verwirklicht sich conversi ad Deum, magna cum reverentia, sub sacerdote – Gott zugewandt, in großer Ehr¬furcht, unter der Leitung des Priesters.
Ich erkläre mich mit Bezug auf die heilige Messe. Die heilige Messe ist vor allem ein Akt der Anbetung Gottes. Das kommt in der überlieferten Liturgie ganz besonders dadurch zum Ausdruck, dass der Priester – unter Teilnahme des Volkes – zu Gott hin betet: in Hinwendung zu Gott – conversus ad Deum. Dieses „zu Gott hin“ braucht der Mensch, um sein Lebensziel zu erreichen. Auf dieses „zu Gott hin“ müssen wir die Men¬schen führen, nämlich zum Kreuze hin. Denn im Kreuz vereinigt sich das Ganze „zu Gott hin“. In der Hinwendung zum Gekreuzigten erfüllt sich das Ganze „zu Gott hin“. Das ist der erste Schritt eines christlichen Lebens und daher eines kirchlichen Auftrags.
Der zweite Begriff: In großer Ehrfurcht – magna cum reverentia. Diese Haltung müssen wir von neuem die Menschen lehren, beginnend bei der Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Sakrament, so dass alsdann ihr ganzes Leben von Ehrfurcht dem Schöpfer und in Folge dem Geschöpf gegenüber geprägt sein wird.
Der dritte Begriff: Unter der Leitung des Priesters – sub sacerdote. Der Herr hat das höchste Heilsgeheimnis in die Hände des Priesters gelegt. Kraft seiner Weihe führt er die Menschen dem erlösenden Gott entgegen, dem Herrn im allerheiligsten Sakrament. Auf diese Weise leitet er die Menschen zu einem heiligen Leben im Alltag an. Deshalb muss die Bedeutung des Priestertums neu bewusst werden. Das christliche Leben in seiner Fülle ist, vom Herrn gewollt, nur möglich unter dem Priester und mit dem Priester. Dieser Wille des Herrn hat seinen Brennpunkt in der heiligen Messe, deshalb – sub sacerdote. Von hier aus muss das heilige Leben in die Welt hinein strahlen, in den Alltag hinein.
Auf diesen Dienst bereitet Ihr, meine lieben Weihekandidaten, euch vor. Wenn Ihr das bedenkt, werdet Ihr mit umso größerem Eifer durch die Zeit Eurer Vorbereitung schreiten und mit umso größerer Sehnsucht den Tag erwarten, da der Herr Euch durch den Bischof die Gnade der priesterlichen Vollmacht schenkt. So wird die heutige Feier eine Feier der Bestärkung und einer neuen Motivation, auf das Ziel hin zu streben. Die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria möge Euch dabei begleiten. Und wir alle beten für Euch, damit Ihr dieses Ziel erreicht und damit die Kirche lebt, auflebt, weiterlebt zum Heil der Menschen und zur größeren Ehre Gottes.

 

Einkleidung und Tonsur in Lindau (20. Oktober 2018)

 

Fotos aus dem Alltag des Priesterseminars