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Die Sakramentalien

Sakramentalien sind von der Kirche eingesetzte heilige Zeichen,
durch deren Gnaden die Menschen bereitet werden,
die Wirkung der Sakramente aufzunehmen.

von P. Dr. Andreas Hirsch FSSP

Dieser Artikel über die Sakramentalien stützt sich im Wesentlichen auf den Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 1667-1679). Dort ist zu lesen, dass die heilige Mutter Kirche Sakramentalien als heilige Zeichen einsetzt, die aufgrund ihrer Fürbitte Wirkungen geistlicher Art vermitteln. Dabei sind die Sakramentalien auf die Sakramente hingeordnet und heiligen neben diesen unser Leben (Sacrosanctum Concilium 60). Durch das vermittelnde Gebet der Kirche wird bei den Sakramentalien der Segen Gottes herabgerufen. Dieser bezieht sich auf Personen (z.B. Abtsweihe oder Krankensegen) oder Sachen (z.B. Brot- oder Kerzensegen). Aus der Hl. Schrift wissen wir, dass auch schon Jesus Kinder oder Lebensmittel (etwa Brot und Fische) gesegnet hat. In der Regel wird heute bei der Spendung der Sakramentalien ein Gebet gesprochen und Weihwasser verwendet. Der Segen kommt von Gott, und man segnet im Auftrag Gottes Menschen und Dinge, damit sie in Gott eingebunden werden. Ein Abt, eine Kirche oder ein Altar werden von einem Bischof geweiht. Der Blasiussegen wird ähnlich den vielen Segnungen im Kirchenjahr (Speisesegnung an Ostern, Kräutersegnung an Maria Himmelfahrt) von Priestern gespendet. Wegen der Taufgnade ist es aber unter Umständen jedem Christen erlaubt, gewisse Segnungen vorzunehmen. So ist es ein schöner, frommer und lobenswerter Brauch, wenn Eltern ihren Kindern bevor diese das Haus verlassen, mit Weihwasser ein Kreuzzeichen auf die Stirn machen. Im Alltag können wir uns segnen, damit wir Gottes Gnade um uns spüren und Ihn in alle Dinge einbeziehen. In unserem Leben, das wir mit Gott beginnen, gehört der Segen dazu, und wir bekunden damit die Hoffnung und das Vertrauen auf Gott. Es erleichtert uns das Leben, wenn wir mit diesen heiligen Dingen einen Umgang pflegen. So sollten auch vor dem Essen in den Familien die Lebensmittel – besonders das Brot – mit einem Kreuzzeichen gesegnet werden. Das Essen dürfen wir segnen, um Gott einzubringen und ihm damit Ehrerbietung zu bekunden. Ist allerdings ein Priester bei Tisch anwesend, so übernimmt dieser die Segnung, da er durch seine heilige Weihe in der Person Jesu Christi, des Hauptes der Kirche, den Segen spendet, so dass ihm die anderen Personen (auch die Diakone) gerne den Vortritt gewähren. Das Priesteramt beruht nicht auf den persönlichen Verdiensten oder der persönlichen Heiligkeit des Priesters, sondern auf der Weihegnade Gottes. Der heilige Franziskus – er war Diakon – wollte einen schwer sündigen Priester noch vor den heiligen Engeln begrüßen, da dieser durch seine heilige Weihe in der Person Jesu Christi handeln kann. Franziskus dachte hier besonders an die Spendung der Beichte, der Krankensalbung sowie an die Feier der heiligen Messe. Selbstverständlich beinhaltet die Priesterwürde eine hohe Verpflichtung.

Bei der Feier der Sakramentalien werden die Gläubigen durch das Gebet der Kirche auf den Empfang der Gnade vorbereitet. Jede Gnade entspringt letztlich dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Christi. Diese Heilsereignisse werden im Messopfer sakramental gegenwärtig, worauf sich alle Sakramente und Sakramentalien hinordnen. Auch die gesegneten materiellen Dinge sollen dem Lobe Gottes und dem Heil der Menschen dienen (Sacrosanctum Concilium 61). Im weiteren Sinne lassen sich auch die Bilder- und Reliquienverehrung, Wallfahrten, Prozessionen und Andachten sowie andere Bräuche auf dem Gebiet der Volksfrömmigkeit zu den Sakramentalien rechnen. Es ist dabei wichtig, dass diese frommen Handlungen nicht an die Stelle der Sakramente treten, um diese zu ersetzen. Vielmehr sollen sie zu diesen hinführen, damit die Gläubigen immer tiefer in die Liebe des dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes hineinwachsen können. Diese Tatsache lässt sich besonders anhand des Ritus der Kirchweihe verdeutlichen. Ein Gotteshaus ist in erster Linie für die Darbringung des heiligen Messopfers sowie die Feier der anderen Sakramente (Taufe, Firmung, Beichte, der heiligen Weihen), des Stundengebetes und auch der Sakramentalien (Andachten) bestimmt. Bei der Krankensalbung wird der Priester zu dem Kranken gerufen. Deshalb wird das Gotteshaus feierlich von dem Bischof in einer langen und ausdrucksstarken Handlung geweiht und somit jeglichem weltlichen Gebrauch entzogen. Zunächst wird das Kirchengebäude von außen und von innen mit einem besonderen Weihwasser besprengt. Mittelpunkt einer jeden Kirche ist der Altar und der Tabernakel, die auch mit Gregoriuswasser besprengt werden. Das Gregoriusweihwassser wird mit besonderen Gebeten und Bitten gesegnet. Es folgt die Reliquienprozession und die Beisetzung der Reliquien im Altar. Diese tiefe Symbolik geht auf die Urkirche zurück. Dort begann man, das heilige Messopfer auf den Gräbern der Märtyrer darzubringen. Diese hatten ihr Leben für Christus hingegeben und so ihr Lebensopfer mit demjenigen des Herrn verbunden. Bei der feierlichen Kirchweihe folgt auf die Beisetzung der Reliquien die Salbung des Altares, das Weihrauchopfer auf dem Altar, das Weihegebet, eine erneute Salbung des Altares sowie die Feier des heiligen Messopfers. So wird durch viele von der Kirche eingesetzte heilige Zeichen (Sakramentalien) das Gotteshaus geweiht und für die Feier des Gottesdienstes vorbereitet. Ziel jeglichen Gottesdienstes ist die Anbetung des dreifaltigen Gottes, der uns seine Erlösungsgnaden schenkt, damit er liebevoll Wohnung in uns nehmen kann. Dieser Heilsweg beginnt am Taufstein. Bevor der Priester die heilige Taufe spendet, wird den Taufbewerbern eine Vielzahl heiliger Zeichen (Sakramentalien) vermittelt. Die Taufbewerber werden bekreuzigt, sie erhalten gesegnetes Salz, es werden Exorzismusgebete und eine Salbung mit Katechumenenöl vorgenommen. Nach diesen Vorbereitungen erfolgt erst die Spendung der Taufe, die uns die Erbschuld nimmt, uns zu Kindern Gottes und zu Gliedern der Kirche macht. Diese in der Taufe geschenkte Gnade befähigt uns nun, an den weiteren Gottesdiensten fruchtbar teilzunehmen und die anderen Sakramente zu empfangen. Alle heiligen Handlungen werden in der Regel im Gotteshaus vorgenommen, das durch die oben beschriebenen heiligen Zeichen (Sakramentalien) dafür feierlich geweiht wurde. Zur Vorbereitung auf das Sakrament der Priester- und der Diakonatsweihe setzte die Kirche ebenfalls Sakramentalien ein. Die Erteilung der Tonsur ist das äußere Zeichen für die Loslösung von der Welt und die Indienstnahme durch Gott und die Kirche. Die Weihe zum Ostiarier (Türhüter, Mesner) überträgt dem Priesteramtskandidaten die Aufgabe, für das Gotteshaus zu sorgen, damit es in einem würdigen Zustand ist. Als Lektor (Vorleser) darf er die Lesungen aus der Heiligen Schrift vorlesen. Die Weihe zum Exorzisten soll den Seminaristen unter anderem im inneren Kampf gegen die Dämonen stärken. Als Akolyth (Altardiener) bringt er die Opfergaben zum Altar und trägt die Leuchter. Der Subdiakon dient dem Diakon und dieser wiederum dem Priester beim heiligen Messopfer. Dadurch werden die Priesteramtskandidaten mit dem durch die Kirche vermittelten Segen Gottes immer näher in sein Heiligtum geführt. „Mit dem Tod, dem Abschluss des sakramentalen Lebens, beginnt für den Christen die Vollendung der bei der Taufe begonnenen Wiedergeburt“ (KKK 1682). Das heilige Messopfer wird für die Seele des Verstorbenen im Gotteshaus dargebracht und der Leichnam auf dem Friedhof mit Gebeten, Weihwasser und Weihrauch (Sakramentalien) der geweihten Erde übergeben. So werden wir durch Gottes reiche Barmherzigkeit und Gnade von der Geburt bis zum Tod durch die mütterliche Sorge der Kirche mit heiligen Zeichen (Sakramente und Sakramentalien) beschenkt. Dabei bereiten uns die Sakramentalien auf den Empfang der Sakramente vor. Diese wiederum vermitteln uns die notwendige göttliche Gnade, so dass der dreifaltige Gott in uns Wohnung nimmt. Er will uns zu sich in den Himmel führen, wo wir allein bei ihm ewig glücklich sein können.