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Katholische Familienkultur – Vademecum für die Krise

 

Robinson Crusoe nahm als Schiffbrüchiger von seinem sinkenden Wrack die Bibel mit auf seine Insel und las in ihr jeden Tag soviel, bis er müde wurde. Auch in der aktuellen Pandemie sollte das Buch der Bücher die erste Wahl sein, wenn man nach einer geeigneten Lektüre sucht – neben den Schriften der Kirchenväter und Kirchenlehrer. Endlich haben wir Muse das zu lesen, was uns durch die Verpflichtungen des Alltags meist verwehrt blieb. Jetzt ist die Zeit, nicht nur mit Gott, sondern auch in der Familie zu wachsen. Nutzen wir die Möglichkeit, zusammen zu singen und zu musizieren, Brettspiele zu machen, Filme zu schauen, einander vorzulesen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Empfehlungen von Michael K. Hageböck bereichern jede katholische Familie.

Kinder- und Familienspiele
Bereits mit 4 Jahren hat man seine Freude an: „Viva Topo!“ (Katz jagd Mäuse per Würfel) und „Solche Strolche“ (erfordert Reaktions- und Kombinationsvermögen). Die besten Spiele ab 6 Jahren sind: „Memoarrr!“ (eine intelligente Memory-Variante) und „Tal der Wikinger“ (bei dem man Fingergeschick und Augenmaß braucht). Ab acht Jahren empfiehlt sich: „Ubongo“ (ein kniffliges Legespiel zum Training für räumliches Vorstellungsvermögen), Riff Raff (hier muss man die Balance halten) und insbesondere „Machi Koro“ (ein geniales Wirtschaftsspiel). Wer mehr auf Kommunikation setzt, sollte es mit „Finden Sie Minden?“ (10 Jahre) oder „Dixit“ (8 Jahre) versuchen. Für Kinder, die von Ihren Eltern unterstützt werden, können die Altersempfehlungen nach unten verschoben werden.

Spiele zum Verweilen ab 12 Jahren
Analoge Brett- und Kartenspiele sind die beziehungsorientierte Alternative zum digitalen Gedaddel. Komplexe Regeln sollten kein Hinderungsgrund sein, denn dafür bieten sie stundenlang Möglichkeit, gemeinsam abzuschalten. „Siedler von Catan“, der neue Klassiker unter den Brettspielen, feiert dieses Jahr sein 25jähriges Jubiläum und ist mit vielen Erweiterungen zu haben. Etwas raffinierter ist „Agricola“, bei dem man eine mittelalterliche Bauernfamilie zu Wohlstand verhelfen muss. Strategisch anspruchsvoll ist die Reihe des Kartenspiels „Dominion“. Doch mit keinem Spiel vergeht der Tag so schnell, wie mit „Orleans Stories“: Entlang der Loire müssen nicht nur Dörfer und Burgen errichtet werden, vielmehr gilt es Klöster und Universitäten zu gründen. Herzstück dieser abendländischen Kultur sind die Mönche. (Videos auf youtube helfen, um den Mechanismus der hier vorgestellten Spiele schneller zu begreifen.)

Heiligenbücher für Kinder
Wann sind Menschen für das Wirken Gottes empfänglich, wenn nicht in der Not? Wilhelm Hünermann, Josef Spillmann, Louis de Wohl, Gertrud Fussenegger und Ida Lüthold Minder machen uns mit Heiligen vertraut; Sophie zu Eltz, Jon Svensson, Christoph von Schmid, Franz Weiser und Lisbeth Burger schrieben katholische Literatur für die Kleinen. Die Bücher dieser Autoren eignen sich Lektüre bei Tisch oder zum Vorlesen, wenn man seine Kinder ins Bett bringt. Sehr liebevoll gestaltet ist die Reihe „Menschen, die Geschichte machten“ von Philipp von Ketteler und seiner Frau Caroline; die besten der zehn Titel sind: „Anna Katharina Emmerich“, „Adolph Kolping“ und „Hildegard von Bingen“. In einfacher englischer Sprache sind die Bücher von Mary Fabyan Windeatt geschrieben. Wer sich ans Französische rantraut, sollte sich auf jeden Fall die von Joëlle d’Abbadie illustrierten Bücher besorgen, vor allem den dreibändigen Katechismus „La Miche de Pain“.

Einstieg in die Weltliteratur
Die Corona-Zeit bietet die Möglichkeit, sich mit Literatur zu beschäftigen, welche in der Schule oft unter den Tisch fällt. Wenn das Original als zu größe Hürde empfunden wird, dann bieten sich (auch für Erwachsene) andere Zugänge. Großartig ist die Serie „Weltliteratur für Kinder“ vom Barbara Kindermann Verlag – oder ganz niederschwellig für Schüler mit Unterstützungsbedarf die Reihe „einfach lesen“ vom Cornelsen. Die vier großen Werke der abendländischen Literatur sollten alle Familien kennen: Homers „Illias“ (z.B. in der von Alan Lee illustrierten Fassung von Rosemary Suttcliff), Vergil „Aeneis“ (etwa in der Nacherzählung von Auguste Lechner), Dantes „Göttliche Komödie“ (als kommentiertes Hörbuch) und Tolkiens Mittelerde („Der Herr der Ringe“ gibt es als Hörspiel, „Das Silmarillion“ als Hörbuch).
Außerdem gehört die Hörspiel-Serie „Wir entdecken Komponisten“ in den Haushalt jeder Familie mit bildungsbürgerlichem Anspruch. Auf ansprechende Weise gewinnen großer Musiker wie Morat, Bach, Schubert, Beethoven, Wagner und andere kennen.

Weitere Anregungen für gute Lektüre
Hinweise für die Lektüre von reifen Lesern findet man in den Aufsätzen der Reihe „Priester, Poeten und Propheten“, welche der fe-Verlag in zwei Bänden ediert hat. Ergänzend dazu findet man Orientierung im zweibändigen Werk „Vom Geist Europas“ (Gerd-Klaus Kaltenbrunner) sowie im Handbuch „Vorlesen“ (Kositza/Sommerfeld). Das von Sebasian Engelhardt und Michael K. Hageböck geschriebene „Literatur im Deutschunterricht“ ist nicht nur an Lehrer adressiert, sondern bietet auch christlichen Eltern einen Leitfaden, was junge Menschen lesen sollten.
Um Heranwachsenden einen roten Faden durch die Geschichte zu vermitteln sei auf „Story of Civilsation“ von Phillip Campbell hingewiesen, einer Weltgeschichte aus dezidiert katholischer Perspektive. Eine Ergänzung dieses dreibändigen Werkes, in welcher die Leistungen des Sacrum Imperium und Deutschlands nur am Rande erwähnt werden, ist „Deutsche Geschichte für junge Leser“ des konservativen Protestanten Karlheinz Weißmann.

Motivierung zum Durchhalten
Um die Chance zu erkennen, welche die Pandemie den Familien eröffnet, muss unbedingt „Das Erwachen der Señorita Prim“ von Natalia Sanmartín Fenollera gelesen werden. Der Roman schildert im einem romantischen Tradi-Setting, was Homeschooling zu leisten vermag. Als ergänzendes Sachbuch sollte „Die Benedikt Option“ von Rod Dreher daneben gelegt werden. Wer die Seuche als Anlass nehmen möchte, um über die Krise des Westens und eine Neuausrichtung seiner persönlichen Lebensgestaltung nachzudenken, dem seien die Werke von Kardinal Sarah ans Herz gelegt, vor allem „Die Kraft der Stille“.
Was es bedeutet, Entbehrungen auf sich zu nehmen, kann man Kindern ab sechs Jahren mit dem Film „Die Reise der Pinguine“ verdeutlichen. Fesselnd, wenngleich nicht auf Deutsch erhältlich, ist die DVD „Molokai“ über Damian de Veuster. Als Durchhalte-Filme für die ganze Familie bietet sich „Der Marsianer“ sowie „The Way Back – der lange Weg“ an; für Väter und Söhne (ab 16 Jahren) empfiehlt sich „Interstellar“ und „Lone Survivor“.

Foto: Shutterstock.com – Svetlana123