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Eine (Ersatz-)Wallfahrt zur Trösterin der Betrübten

 

 

 

 

Es war abzusehen, dass die Tradition der seit 1983 stattfindenden Pfingstwallfahrt von Paris nach Chartres in diesem Jahr eine jähe Unterbrechung finden würde. Doch einige Seminaristen aus Wigratzbad ließen sich ihre Pilgerlust nicht nehmen und beschlossen kurzerhand, zu Fuß von Köln nach Kevelaer zu wallfahren. Etliche Mitstudenten schlossen sich begeistert dem Vorhaben an, ebenso wie die erst neulich geweihten Priester und Diakone des Seminars. Sogar die Leitung des Hauses stand mit am Start, als sich der Pilgerzug mit immerhin 32 Teilnehmern am Pfingstsamstag in Bewegung setzte.

Bis es jedoch soweit war, musste coronabedingt einiges an organisatorischem Aufwand bewältigt werden. Dank der Hilfe der zuständigen Ordnungsämter, die das Seminar als einen Haushalt anerkannten, und den örtlichen Pfarrern, die ihre Kirchen für die Pilger öffneten, sowie dank der Fürsprache der Gottesmutter und eines nicht messbaren Teils der göttlichen Vorsehung stand der Wallfahrt schließlich nichts mehr im Wege.

Die Pilgerroute, die in etwa der Distanz zwischen Paris und Chartres entsprach, war in drei Etappen gegliedert und führte durch malerische Winkel des Rheinlandes. Dabei wurden die Seminaristen lediglich von ein paar Wolken begleitet, die für angenehme Temperaturen sorgten.

Startpunkt war der Kölner Süden, wo die Petrusbruderschaft die Kirche Maria-Hilf mitbetreut. Von dort ging es in die Innenstadt – mit freundlicher Unterstützung der Polizei, die den staunenden Passanten Rede und Antwort stand. Nach einer Besichtigung des Doms brach die Gruppe in das 37 km entfernte Neuss auf.

Abends angekommen erfuhren die Pilger allerlei Wissenswertes über das Münster, über dessen Ursprünge als Stiftskirche und den Kirchenpatron Quirinus. Am nächsten Morgen versammelten sie sich dort erneut – zur Feier des Pfingsthochamtes, zelebriert von einem der neugeweihten Priester. Die Gruppe aus 32 jungen Männern wirkte fast unscheinbar in dem imposanten Kirchenbau und doch füllte sich jede Spalte des alten Gemäuers mit dem klangvollen Choral der Seminarschola und der geheimnisvollen Sakralität, die von der Liturgie im Überlieferten Ritus ausging.

Die letzte Etappe am Pfingstmontag führte von Wachtendonk entlang der Niers nach Kevelaer. Am Spätnachmittag zogen die Pilger in den Marienwallfahrtsort ein. Ein kräftiges „Lauda Jerusalem" am Gnadenbild der Trösterin der Betrübten und eine anschließende heilige Messe in der benachbarten Kerzenkapelle krönten die Mühen der vergangenen Tage.

Die Seminaristen haben während ihrer Wanderung nicht nur in Köln für Aufsehen gesorgt: Immer wieder wurden sie von interessierten Gläubigen angesprochen, die sich laut eigenem Bekunden gerne der Gruppe angeschlossen hätten. Diese Erfahrungen, aber auch die Eindrücke aus den feierlichen Liturgien in den altehrwürdigen Kirchen ließen bei vielen Teilnehmern den Wunsch nach einer Wiederholung aufkommen. Ob mit der „Ersatzveranstaltung" eine neue Wallfahrtstradition begründet wurde?