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"Stets unter dem Willen Gottes" – Weihen in Gestratz

Gestratz, 15. Februar 2020: In der überfüllten Pfarrkirche St. Gallus spendete S. Exz. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz, Liechtenstein, in einem über dreistündigen tridentinischen Pontifikalhochamt 20 Seminaristen die niederen Weihen und 2 Seminaristen die Subdiakonatsweihe. Das hervorragende Wetter trug zu einer erhobenen Feierlichkeit bei, denn die Sonne überstrahlte durch die Kirchenfenster das ganze Kirchenschiff.

Erzbischof Haas zelebrierte die Marienmesse am Samstag. Inspiriert vom Introitus „Salve, sancta Parens“, eröffnete S. Exzellenz seine kurze, deutsch-französische Ansprache mit einem eigenen Mariengruß: „Sei gegrüßt, du, unsere Mutter, Mutter des Herrn, Mutter der Kirche. Sei gegrüßt du, die du uns verstehen lässt, was wir heute hier auf wunderschöne Weise wieder erleben dürfen, nämlich, dass da die niederen Weihen erteilt werden und schließlich die Subdiakonatsweihe.“
Der Erzbischof griff in seiner Ansprache die Vorsilbe des „sub“ (lt. unter) aus dem Begriff des Subdiakons auf, um zu zeigen, dass man in einem gewissen Sinne immer „sub“ sein müsse: „Stets unter dem Willen Gottes stehen, stets im Dienste dieses Willens Gottes bleiben, stets unter der wahren Autorität der Kirche den Dienst erfüllen, stets auch unter der Leitung derjenigen, die die Verantwortung in einer solchen Gemeinschaft haben, wie die der Bruderschaft. Dieses „Sub“ soll immer eingeschrieben bleiben in unser aller Herzen, auch im Herzen der Priester und des Bischofs.“

Des Weiteren verwies S. Exzellenz auf das hervorragende Vorbild Mariens, wenn es darum geht, Gott zu dienen und sich Ihm unterzuordnen: „Sie ist für uns das große, wunderbare Vorbild. Sie ist diejenige, die uns lehrt, wie wir ständig unter Gottes heiligem Willen gehen und diesen heiligen Willen Gottes, so wie sie, erfüllen. Sie wollte nichts anderes sein als eine Magd, Dienerin des Herrn, und ist gerade so unsere wirkliche Herrin, die uns hilft, das zu tun, was Gott will und nicht, was wir in unseren Begrenztheiten begehren. Das wünsche ich uns allen am heutigen Tag.“

In der bei der Petrusbruderschaft üblichen traditionellen Priesterausbildung gliedert sich der Weg zum Priestertum in sieben Weihestufen, die in niedere und höhere Weihestufen unterteilt werden. Diese Weihestufen sind zugleich einzelne Ämter, die als Vorstufen des Priesteramts gelten. Zu den niederen Weihestufen zählen: Die Weihe zum

1) Ostiarier. Er ist der Türhüter und Glöckner der Kirche. Entsprechend reicht der Bischof bei der Zeremonie jedem einzelnen Weihekandidaten als Sinnbild der Amtsübergabe den Kirchenschlüssel zur Berührung. Anschließend schließt jeder Weihekandidat mit dem Schlüssel die Kirchentür einmal zu und wieder auf und läutet die Glocke.

2) Lektor. Er ist amtlich bevollmächtigt, die liturgischen Lesungen vorzutragen, um dadurch Gottes Wort den Menschen als Seelennahrung zu reichen. Zur Erteilung der Weihe reicht der Bischof den Weihekandidaten das Buch der Lesungen zur Berührung.

3) Exorzist. Dieser erhält Anteil an der priesterlichen Gewalt, das Böse zu bannen. Unter einem Exorzismus versteht man einen in Gottes Namen an den Teufel gerichteten Befehl, einen Menschen oder einen Gegenstand zu verlassen. Die ihr zugrundeliegende Gewalt ist gebunden, d. h. die Ausführung eines Exorzismus bedarf einer ausdrücklichen Erlaubnis des Ortsbischofs, die nach geltendem Kirchenrecht nur Priestern erteilt wird. Nichtsdestoweniger bleibt dem Weihekandidaten die persönliche Aufgabe des inneren, lebenslangen Kampfes gegen den Teufel. In der Zeremonie überreicht der Bischof den Weihekandidaten das Rituale, in dem die Exorzismen aufgezeichnet sind.

4) Akolyth. Er ist ein kirchlich beauftragter Ministrant, der den Priester v. a. beim eucharistischen Opfer und bei der Sakramentenspendung begleitet. Die Akolythenweihe ist die höchste der vier niederen Weihestufen und steht in direkter Beziehung zum eucharistischen Opfer. Sie wird durch Berührung einer Kerze und der leeren Messkännchen erteilt.

Der Subdiakon assistiert direkt dem Zelebranten und dem Diakon in einem levitierten Amt und trägt dazu über Schultertuch und Albe ein Manipel und eine Tunika. Die Weihe zum Subdiakon ist die erste der drei höheren Weihen und kann als Verlobung des Weihekandidaten mit seiner zukünftigen Braut, der Kirche, verstanden werden. Der geweihte Subdiakon, sofern Mitglied der Petrusbruderschaft, ist ab seiner Weihe zum Breviergebet verpflichtet.
Zum Vollzug der Subdiakonenweihe treten die Weihekandidaten, bekleidet mit Schultertuch, Albe und Zingulum, und mit einer brennenden Kerze in der Hand vor den Bischof. Nach dessen rituellen Ermahnungen und Aufforderungen legen sie sich als Ausdruck ihrer demütigen Ganzhingabe flach auf dem Boden, während alle Heiligen in der gesungenen Allerheiligenlitanei angerufen werden. Später, nach einer Reihe von Belehrungen über die äußeren und inneren Pflichten des Subdiakons, reicht der Bischof den Weihekandidaten den leeren Kelch, die Patene und die jeweils mit Wein und Wasser gefüllten Kännchen zur Berührung. Es folgt die Überreichung der heiligen Gewänder. Dazu zieht der Bischof jedem Weihekandidaten das Schultertuch über das Haupt und reicht ihm den Manipel, die Tunika und zuletzt das Lektionar.

Einer der neugeweihten Subdiakone sang nach dem Weiheritus die Lesung der heiligen Messe. Im Anschluss an das Pontifikalhochamt fand ein festliches Mittagessen im Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad statt. Mit diesem Tag sind 22 Seminaristen dem Ziel der Priesterweihe entscheidend nähergekommen. Möge Gott sie auf ihrem Weg weiterhin segnen und stärken!

Text: Melvin Watts / Fotos: P. Alban Cras FSSP