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Subdiakonatsweihe und Niedere Weihen 2016

Am Samstag, den 13. Februar 2016, wurden in Gestratz 11 Seminaristen zu Subdiakonen und 20 Seminaristen zu Ostiarier, Lektor, Exorzist und Akolyth geweiht. Die Weihe wurde von S.E. Prof. Dr. Vitus Huonder, Diözesanbischof von Chur, gespendet. Nachfolgend die Predigt von Bischof Vitus Huonder anlässlich dieser Weiheliturgie:

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst,
Liebe Weihekandidaten,
Brüder und Schwestern im Herrn

Was tat Jesus zu Beginn seines Wirkens? Zu Beginn seines Wirkens traf Jesus zwei bedeutende Maßnahmen: Er predigte und er berief. Er predigte die Umkehr, und er berief die Apostel. Das heißt: Jesus wollte von Anfang an, dass seine Predigt nicht verstummte und dass sein Handeln fortgesetzt würde. Sein Wort und sein Handeln sollten der Welt erhalten bleiben. Sein Heilswalten sollte weitergehen. Sein Erlösungswerk sollte den zukünftigen Generationen nicht vorenthalten werden; die wahre Lehre über Gott nicht verloren gehen. Allen Menschen sollte die Vergebung der Sünden gewährt werden, alle mit den Gaben Gottes vertraut gemacht werden. Alle sollten auf das ewige Leben vorbereiten werden.

Um das zu erreichen, wollte Jesus, in der heutigen Geschäftssprache ausgedrückt, sein Know-How von Anfang an bestimmten Menschen weitergeben und sie darin schulen. Er wollte bestimmte Menschen in das Geheimnis seines Wirkens einweihen. Er wollte sie mit der Vollmacht ausstatten, in seinem Namen zu lehren und zu handeln. Dazu berief er, wie bereits erwähnt, die Apostel. Dazu berief er alle Jünger. Diese Berufung am Anfang seines Wirkens war die Geburtsstunde des sechsten Sakramentes, des Sakramentes der Weihe. Gemäß der Ordnung der Kirche verwirklicht sich dieses Sakrament bis heute in der Diakonen-, Priester- und Bischofsweihe.

Jesus hat die Apostel und die Jünger nach und nach in das Sakrament der Weihe eingeführt. Er hat ihnen nicht gleich die Fülle der Vollmacht gegeben. Er hat ihnen nicht gleich die Vollmacht verliehen, das heilige Messopfer zu feiern und die Vergebung der Sünden zu gewähren. Diese Fülle der Weihe hat er ihnen erst am Ende des langen, dreijährigen Weges ihrer Schulung verliehen, erst am Hohen Donnerstag im Abendmahlssaal, erst am Ostersonntag nach seiner Auferstehung. Die Etappen dieser Schulung der Apostel und Jünger ist heute noch dargestellt in den Riten, die auf das Weihesakrament vorbereiten. In der herkömmlichen Form der römischen Liturgie sind es die sogenannten Niederen Weihen sowie das Sakramentale des Subdiakonats. An ihnen lässt sich gleichsam das Schulungsprogramm Jesu ablesen, das „Kursprogramm“. Wir können dieses „Kursprogramm“ in Stichworten so umschreiben: Das Aufschließen der Tür zum Geheimnis Christi ist der Anfang dieser Schulung: dies ist die Aufgabe des Ostiariers; dann folgt das Vertrautmachen mit dem Wort Gottes: dies ist Aufgabe des Lektors; daraus ergibt sich die Befreiung des Menschen aus der Macht des Bösen: dies fällt dem Beschwörer zu; der weitere Schritt ist die Einführung der Menschen in das Geheimnis der Eucharistie: die Aufgabe des Akolythen; daran knüpft sich die Vorbereitung der Herzen für den Empfang des Sakraments des Leibes und Blutes Christi: Aufgabe des Subdiakons. Mit diesem Kursprogramm werden die Berufenen, das heißt die Priesteramtskandidaten, Schritt um Schritt in ihren Dienst eingeführt, auf die Diakonen- und Priesterweihe vorbereitet und auf jene Aufgaben, welche mit diesen Weihen verbunden sind.  

Meine Lieben, Ihr empfangt heute die Sendung für wichtige Aufgaben. Ihr werdet als Pädagogen des Glaubens auf den Weg geschickt, die einen schon als Fortgeschrittene, die andern erst am Anfang. Ihr bekommt den „Ausweis“ für verschiedene Lehrstufen der Glaubensweitergabe, ein „Lizentiat“ dazu. Dadurch spürt Ihr, wie sehr Euch die Kirche braucht, um ihre Sendung zu erfüllen. Und die Kirche freut sich - der Bischof freut sich, dass er heute so viele junge Männer ins Ausbildungsprogramm unseres Herrn aufnehmen und sie zum ersten oder zu einem weiteren Grad zulassen darf. Dies ist für die Kirche eine Ermunterung. Sie kann ihren Auftrag durch Euch weiter wahrnehmen. Sie ist voller Hoffnung. Sie spürt vor allem, dass der Herr auch heute Menschen in seine Nachfolge beruft; dass er seine Kirche nicht verlässt. Die Worte des Herrn, welche wir im Evangelium vernehmen, haben heute noch ihre Kraft und ihre Gültigkeit: Confidite, ego sum, nolite timere [Seid getrost, ich bin es, fürchtet euch nicht.]. Habt Vertrauen in diese Worte. Sie gelten Euch und Eurem Auftrag. Habt keine Angst, dem Herrn zu dienen. Denn er ist mit Euch und begleitet Euch. Amen.