Ausgabe

Nr.37

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Juli

2008

 

Liebe Freunde u. Wohltäter!

 

 

Ein Jahr ist es nun her, dass unser Heiliger Vater am 07. Juli 2007 das Motu Proprio bezüglich der hl. Messe im klassischen Ritus herausgegeben hat.

 

Zwei Gründe

 

„Hatte man unmittelbar nach dem Ende des II. Vaticanums annehmen können, das Verlangen nach dem Usus von 1962 beschränke sich auf die ältere Generation, die damit aufgewachsen war, so hat sich inzwischen gezeigt, dass junge Menschen diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden“ (Begleitbrief des Papstes).

Ein weiterer Grund, der zum Motu Proprio beigetragen hat, war sicherlich, dass das „neue Missale vielerorts nicht seiner Ordnung getreu gefeiert, sondern geradezu als eine Ermächtigung oder gar als Verpflichtung zur ‚Kreativität‘ aufgefasst wurde, die oft zu kaum erträglichen Entstellungen der Liturgie führte.“ In einer Phase voller Erwartungen und Verwirrungen konnte man sehen, „wie tief Menschen, die ganz im Glauben der Kirche verwurzelt waren, durch die eigenmächtigen Entstellungen der Liturgie verletzt wurden.“ Vielen Menschen sprechen diese Gedanken des Heiligen Vaters (vgl. Begleitbrief) aus der Seele. Beide Positionen, die Begegnung mit dem Mysterium in der klassischen Form der

Liturgie und die allzu kreative Gestaltung der Liturgie, wodurch der Eindruck von „Machbarkeit“ der Liturgie entstand, hatten zwangsläufig zu Spannungen geführt. Das

Motu Proprio Summorum Pontificum will zur Heilung dieser Wunden beitragen.

 

Auswirkungen

 

Zunächst wurde also ganz praktisch der Zugang zur älteren Form der hl. Messe grundsätzlich liberalisiert. Seitdem kommt immer mehr ein neues Nachdenken und eine Diskussion über die Liturgie in Gang. Professor Michael Kunzler (Paderborn) stellt fest: „Die Erneuerung der Liturgie ist keinesfalls eine gescheiterte Sache“ (Die tridentinische Messe, S. 53). Dennoch hat es in der Erneuerung der Liturgie Sackgassen und Irrwege gegeben. „Bis vor wenigen Jahren gehörte es zur ‚political correctness‘, nur ja keinen Deut Kritik an der Liturgiereform zuzulassen. Daran scheiterten akademische Karieren, dem Kritiker begegnete eine ganze Phalanx von Fachleuten, die es um keinen Preis zulassen wollten, dass an der Reformarbeit,

an der sie selbst vielleicht sogar beteiligt waren, auch nur der leiseste Zweifel geäußert wurde“ (Kunzler, S. 53f). Eine solche Härte im Umgang miteinander taut jetzt an vielen Orten bereits auf, dank des Motu Proprio mit dem der Papst innere Wunden heilen und Versöhnung stiften will.

 

Kulturlosigkeit contra Erstarrung

 

Selbstverständlich bedeutet Versöhnung auch, dass beide Seiten bereit sind, über sich nachzudenken. Die religiöse Haltung neigt naturgemäß zur Bewahrung („Conservatio“) und Erhaltung. Diese hat jedoch ihr negatives Gegenstück wiederum in der Erstarrung.

So schrieb Reinhard Raffalt bereits kurz nach der Liturgiereform über die Kirche:

„Die Kulturfeindlichkeit ihres progressistischen Lagers scheint mir eine wider die menschliche Natur gerichtete Anmaßung zu sein, die geistige Starre ihrer Traditionalisten

ein Missbrauch des geschichtlichen Erbes, das heute verwandelt werden müsste, anstatt zu verdorren. Den größten Widerwillen aber verursachen mir jene, die konservativ sind ohne Phantasie und sich progressiv gebärden aus Angst.“ (Wohin steuert der Vatikan, 1973, Vorwort).

Die „Traditionalisten“ von denen hier die Rede ist, bestehen aus vielen Gemeinschaften

und Familien. Die „geistige Starre“ ist eine Gefahr im theologischen Denken, die

für die einen mehr, für die anderen weniger, besteht. Der Blick über den eigenen Tellerrand ist immer erfrischend. So sollten beide Seiten, die Modernen und die Konservativen („Traditionalisten“), aufeinander schauen und sich gegenseitig befruchten – wobei in diesem Zusammenhang die Bezeichnungen „modern“ und „konservativ“ sicherlich immer mehr gegeneinander austauschbar geworden sind.

 

Neue Aufbrüche

 

Obwohl die ältere Form der hl. Messe „nie rechtlich abrogiert (aufgehoben) wurde und insofern im Prinzip immer zugelassen blieb“ (Begleitschreiben des Papstes) ist die „alte Messe“ de facto erst seit einem Jahr von höchster Stelle aus dem Ghetto der Aussätzigen befreit, und wir wieder hoffähig gemacht worden. So dürfen wir erleben, dass an immer mehr Orten die hl. Messe wieder in der klassischen Form gefeiert werden darf. Am vergangenen 08. Juni hat Benedikt XVI. in Rom sogar eine Personalpfarrei für den alten Messritus errichtet. Das ist weltweit zwar die zehnte Pfarrei dieser Art, die der Petrusbruderschaft anvertraut wurde, jedoch ist es die erste in Europa. Laut Kardinal Castrillón-Hoyos, Präsident

der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, ist diese Errichtung einer Personalpfarrei ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des Motu Proprios in der Diözese Rom, aber auch von Vorbildcharakter für die Diözesen in Italien und überall.

 

Neues Mitglied der FSSP

 

Zu guter letzt möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass ich nach inzwischen fast dreijähriger

Tätigkeit bei der Priesterbruderschaft St. Petrus beim Generaloberen um Aufnahme in die Bruderschaft gebeten habe und nun Mitglied der Priesterbruderschaft St. Petrus bin (Das Kürzel „FSSP“ steht übrigens für den lateinischen Namen der Bruderschaft: „Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri“). Damit bin ich nun auch einer alten Vereinbarung mit meinem damaligen Oberen in Berlin nachgekommen, mit dem ich bereits vor meiner Priesterweihe 2004 einen solchen Schritt abgesprochen hatte. Ich bitte Sie um ihr Gebet für unsere Gemeinden und unsere Bruderschaft, insbesondere auch für unsere neue Pfarrei in Rom.

Sie alle herzlich grüßend

 

Pater Markus Rindler