Ausgabe

Nr.36

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus April

2008

 

Liebe Freunde u. Wohltäter!

In diesem Jahr werden es im Herbst 20 Jahre, dass es die Priesterbruderschaft St. Petrus gibt. Die vergangenen Jahre waren für Sie, die Gläubigen und auch für uns Priester kirchlich gesehen nicht leicht und dennoch überwiegt, denke ich, im Hinblick auf dieses Jubiläum der Dank, denn die Liturgie, an der unser Herz hängt, darf nun doch an einigen Orten gefeiert werden. Mögen noch viele, viele dazukommen.

In gewissem Sinn gehen die Wurzeln der Priesterbruderschaft St. Petrus noch viel weiter zurück. Nicht von ungefähr liegt unser Priesterseminar in Wigratzbad im Westallgäu. Und da sind vor allem zwei Namen von Bedeutung:

Antonie Rädler (1889- 1992) und Pater Johannes Schmid (1897-1987), der dem Passionistenorden

angehörte und 1970 die Wallfahrtsleitung in Wigratzbad übernahm. Die Mutter Antonies hatte flehentlich um einen Priestersohn gebeten. Ihr Wunsch hat sich zwar nicht erfüllt, aber Gott erhörte dennoch ihr Gebet. Denn ohne Antonie gäbe es heute weder eine Gebetsstätte in Wigratzbad, das Woche für Woche Tausende Gläubige anzieht, noch ein Priesterseminar. Als 1918 der erste Weltkrieg zu Ende ging, raffte die sogenannte spanische Grippe Millionen Menschen hinweg. Auch Antonie Rädler war von der Krankheit ergriffen und schwebte fast fünf Jahre zwischen Leben und Tod. Sie litt unter furchtbaren Kopfschmerzen, Schmerzen in den Augen, die sie vier Wochen lang des Augenlichtes beraubten, einer Niereneiterung, eitrigen Hirnhautentzündung, Wassersucht, Nierenbluten und manches mehr. Kein Arzt konnte helfen, bis schließlich ein Arzt in Bad Wörishofen erklärte: “Hier ist die ärztliche Kunst am Ende. Hier gibt es keine Rettung mehr. Das Mädchen kann höchstens noch ein paar Tage leben.” Die Eltern nahmen das Kind mit nach Hause. Antonie konnte nur noch mühsam atmen. Da betete sie am Abend: “Liebe himmlische Mutter! Wie freue ich mich, dich bald sehen zu dürfen. Wenn du mich aber auf Erden brauchst, will ich mich Dir ganz zur Verfügung stellen. Ich werde nicht heiraten. Mein Leben soll einzig Jesus und dir geweiht sein!” Da stand in der Nacht plötzlich die himmlische Mutter vor Antonie, legte ihr in überströmender Liebe die Hände aufs Haupt und sagte: “Nimm deine Zuflucht allein zu mir! Komm und diene mir!” Daraufhin durchströmte eine wunderbare Kraft ihren ganzen zermarterten Leib und heilte ihn. Antonie sank zum ersten Mal nach vielen Jahren in einen tiefen Schlaf und war am nächsten Morgen vollkommen gesund. Man schrieb das Jahr 1923, sie war damals 33 Jahre alt. Schon bald begann sie mit Zustimmung ihres Ortspfarrers ein rühriges Apostolat unter Jugendlichen und Kindern. Als tiefgläubige Katholiken stand Familie Rädler den Nazis von Anfang an ablehnend gegenüber. Als Antonie 1936 eine Metzgereifiliale ihrer Eltern in Lindau übernahm und sich weigerte, das Muttergottesbild gegen das Führerbild auszutauschen, mit “Heil Hitler” zu grüßen und an kirchlichen Feiertagen das Geschäft zu öffnen, war ihr Leben gefährdet. Dreimal versuchten Nazischergen die junge Frau im Bodensee zu ertränken. Jedes mal konnte sie durch glückliche Fügungen entkommen. Nach dem dritten Mordversuch tauchte sie  im elterlichen Haus in Wigratzbad unter. Die Familie hatte inzwischen eine Lourdesgrotte bauen lassen, in welcher sich Antonie gerne zum Gebet aufhielt. Als eines Tages dort Antonie Rädler den Rosenkranz betete, hörte sie plötzlich ein Rauschen, das immer lauter wurde. Es war wie das Schlagen zahlloser Flügel. Die nüchterne und bodenständige Frau berichtete: “Ich blickte zur Statue der Jungfrau Maria, sah aber nichts. Dann erklang ein Gesang und wurde immer stärker. Er wurde so intensiv, dass man das Gefühl hatte, es hätten sich ungezählte Legionen des Himmels um die Grotte versammelt, um wunderbare Akkorde erklingen zu lassen. Alle diese Stimmen sangen: “Unbefleckt empfangene Mutter vom Sieg, bitte für uns!” Ihr Seelenführer, Pfarrer Feiel, trug ihr auf, von der Muttergottes drei wichtige Gnaden zu erbitten. Es geschahen daraufhin nach intensivem Gebet drei auffällige Krankenheilungen, die einem Wunder gleich kamen. Zwei Krebskranke im Endstadium wurden geheilt, ein Sterbender wurde nach dem Trinken von Wasser aus der Quelle von Wigratzbad ebenfalls gesund. Eines Tages kam Antonie Rädler tief erschüttert zu Pfarrer Feiel, um ihm eine Botschaft der Muttergottes zu überbringen: “Gott will, dass euer Leben eine Begegnung mit Ihm sei. Um Seinem Wohlgefallen Ausdruck zu verleihen, gewährte Gott diese außerordentliche Gnade und sandte Engelschöre mit dem Auftrag, einer Welt, die sich von Gott entfernt und Schiffbruch erlitten hat, verständlich zu machen, dass Maria hier herrschen will, siegreich über Welt und Teufel und dass sie in dieser Eigenschaft sehr große Gnaden mit diesem Heiligtum verbinden will, um sie den Seelen zu schenken.” Es begannen in jenen Jahren Sühnenächte,

die immer mehr Beter in den kleinen Weiler Wigratzbad zogen. Man baute die sogenannte “Gnadenkapelle”, die sich aber auch schon bald als zu klein erwies, um die Menschenmassen zu fassen. Schließlich wurde 1972 mit dem Bau einer großen Sühnekirche begonnen, in der über 1200 Menschen Platz finden. Sie wurde am 30. Mai 1976 durch Bischof Stimpfle in Anwesenheit von ca. 8000 (!) Gläubigen eingeweiht. Pater Johannes predigte oft über das künftige Priesterseminar, das er gegen jede menschliche Voraussicht sicher kommen sah. Der geistliche Vater Antonies sagte 1986, ein Jahr vor seinem Heimgang: “Antonie gehorchte von Anfang an den Befehlen der himmlischen Herrscherin und Mutter und zog viele Seelen mit, ohne selbst nachzulassen. So wurde Wigratzbad groß und wird noch viel größer werden, wenn dieser Geist, dieser Gehorsam weiter hochgeschätzt werden. Von diesem Geist des Gehorsams hängt Wigratzbads Zukunft ab. Wer könnte es uns vorwerfen, dass wir sehnsüchtig dafür beten, dass hier eines Tages ein großes Seminar gegründet wird, wo Priester ausgebildet werden, die Jesus im Altarsakrament und Maria ganz hingegeben sind und sich verzehren in unermüdlichem Eifer für die Seelen. Wir sind im letzten Stadium des Kampfes. Er wird riesige Ausmaße annehmen. Es geht um alles oder nichts. Satan weiß, dass er die Schlacht bereits verloren hat.” Zwei Jahre später wurde mit der Gründung der Priesterbruderschaft St. Petrus das Priesterseminar Wirklichkeit. Auf Drängen von Pater Johannes hatte man ein Priesterseminar gebaut, dieses jedoch ohne dessen Wissen als Pilgerheim konzipiert. Es war gerade noch rechtzeitig fertig geworden, als man für uns ein “Dach über dem Kopf” suchte. Zwölf Jahre diente es uns als Herberge und Vorlesungsstätte, ehe wir ein richtiges Priesterseminar bauen und im Heiligen Jahr 2000 durch Kardinal Castrillon Hoyos einweihen konnten. Und zwar genau an dem Platz, den P. Johannes vorher gesagt hatte.

Gottes Wege sind wunderbar. Obwohl in diesen 20 Jahren viele Stürme über unsere Bruderschaft hinweggefegt sind hat Gott trotz unserer Schwachheit und Sündhaftigkeit seine schützende Hand über die „schwache Saat“ gehalten. Ich lade Sie ganz herzlich ein zu einer Dankesmesse am Sonntag den 22.6. um 19 Uhr in der Hl.-Kreuz-Kirche in Landsberg. Es wird ein levitiertes Hochamt sein, in dem die Augsburger Domsingknaben singen. Es wäre sehr schön, wenn die große Hl.-Kreuz-Kirche voll würde und dieser Tag bietet auch die Möglichkeit, dass Sie sich, die Gläubigen aus den Räumen Augsburg, München, Landsberg, Bad Wörishofen und Türkheim begegnen können.

So wünschen Ihnen Pater Rindler und ich eine von Gott gesegnete Zeit.

 

Mit priesterlichem Segensgruß