Ausgabe

Nr.29

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Juni

2007

 

Liebe Freunde u. Wohltäter!

 

In diesem Kirchenjahr durften wir nun die drei großen Hochfeste Weihnachten, Ostern und Pfingsten feiern. Jetzt sind wir eingeladen voll und zum Segen für uns und anderes aus diesen Quellen der Erlösung zu schöpfen. Jesus Christus hat uns die Ströme seiner Gnade und Barmherzigkeit eröffnet und will uns als Guter Hirt führen und leiten. Am Pfingsdienstag heißt es beispielsweise im Tagesevangelium: „Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Türe zu den Schafen… wer durch mich eingeht, wird selig werden; er wird eingehen und ausgehen und Weide finden… Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und zwar im Überfülle.“ (Joh. 10. Kap.) Wie tröstlich: Gott selber weidet und begleitet uns. Aber dieses Bild hat auch etwas ernstes: Im gleichen Evangeliumsabschnitt spricht Christus von Dieben und Räubern, die stehlen und morden. Es ist nicht immer leicht die Stimme des guten Hirten zu hören. Das wissen wir. Immer wieder gilt es auch uns zu fragen: Höre ich auf seine Stimme wirklich? Täglich sollten wir uns erschüttern lassen von der Tatsache, dass Millionen Seelen in Gefahr sind verführt zu werden, d. h. der Widersacher Gottes verhärtet sie in Lauheit und Ablehnung und möchte sie von der „Fülle des Lebens“ abhalten. Gehen wir immer wieder auf die Knie um in diesem wichtigsten Anliegen der Menschheit zu beten!

 

Vor einigen Tagen bekam ich den folgenden „Geistigen Gesang“ des Jesuitenpaters Friedrich von Spee. Christus spricht als Hirtenknabe zu jedem einzelnen Menschen und ringt sich zum Opfertod am Kreuz durch. Die Sprache des Gedichtes ist natürlich nicht die unserer Zeit, der Inhalt und die Gedanken sind jedoch zeitlos.

Friedrich von Spee lebte von 1591 bis 1635. Er war ein sehr bedeutender  Vorkämpfer gegen die Hexenprozesse und ein großer Dichter. Sein Anliegen war es das Wirken Gottes auch in der deutschen Sprache und Dichtkunst aufleuchten zu lassen. Manche seiner Texte finden wir auch im Gotteslob, z. B. kennt jeder das Lied „zu Bethlehem geboren“: Der Text stammt von Friedrich von Spee. Seine Wirkungsorte waren vor allem Paderborn, Köln und Trier. Hier wirkte er als Professor und Seelsorger. Beim Dienst an kranken Soldaten während des Dreißigjährigen Krieges holte er sich den Tod.

Der folgende Text stammt aus dem „Goldenen Tugendbuch“ des Pater Friedrich von Spee:

 

 

Geistlicher Gesang über

Jesu Parabel vom Guten Hirten (in welcher sich Jesus selbst,

als Göttlicher Hirtenknabe - als Hirtenkönigskind – sieht.)

 

 

 

1) Ein Schäflein auserkoren

Such ich so manchen Tag,

Es hat sich so verloren,

Dass man’s nicht finden mag.

Ich rufe ihm mit lauter Stimm’,

Mein liebes Schäflein mich vernimm,

   Schäflein, Schäflein! Ach, wo verkrochst du dich?

            Ach, helfe dir und folge mir!

   Nicht lang’ lass suchen dich.

 

2) Ach, wenn ich dich nur fände,

     Du liebes, teures Blut,

    In vollen Freuden stände

    Mir wieder Herz und Mut.

           Laut rufen will ich wiederum,

    Wer weiß, es kehret doch noch um.

           Schäflein, Schäflein! Mein Tierlein jung und zart!

      Wo komm ich nur auf deine Spur?

           Mein Weg ist rauh und hart.

 

3) Was wird mein Vater denken?

       Ich bleib so lang vorm Haus,

     -Darum er sich wird kränken-

    Mit seinem Schäflein aus.

     Ich will indes ihm sprechen zu:

     Sonst findet er auch keine Ruh.

            Vater, Vater, ich hoff in kleiner Weil,

     Dass ich einmal in jenem Tal

       Es endlich doch ereil’!

 

4) Ei horch! Ich mein’ es regte

  Sich dort im Dornbusch jetzt,

   Wenn es sich still nur legte,

 Dass es sich nicht verletzt.

   Ach Gott, da wird gewiss es sein!

   Ich dringe in die Dornen ein.

   Schäflein, Schäflein! Du liebstes Schäflein mein!

         Kehr wieder um, ich bitt dich drum,

   Sieh meine große Pein.

 

5) Ach nein! Es war ja leider

    Mein armes Schäflein nicht,

    Müd’ such ich weit und weiter,

   Bei Sonn- und Mondenlicht.

     Ich suche rufend immer fort,

    Durch Berg und Tal, von Ort zu Ort,

     Schäflein, Schäflein, was soll ich fangen an?

        Ach weh! Ach weh! So müd und schwach,

     Steig ich den Berg hinan.

 

6) Wohlan, hier auf der Höhe,

  Calvaria genannt,

 Ich einen Kreuzbaum sehe,

Er ist mir wohl bekannt

Zu rufen es, steig ich hinauf;

Mich dünkt hier hat es seinen Lauf,

     Schäflein, Schäflein! Hier harr’ ich Todes matt,

 Hier weich ich nie, ach komm und sie,

Wer dich geliebet hat!

 

7) Ich armes Hirtlein hüte

     Hier auf dem Kreuzesbaum,

    Und sag’ dir sterbensmüde,

    Noch sieben Worte kaum.

   Ach Schäflein, Schäflein, kämst du doch,

  Ich leb ja nur drei Stündlein noch.

Vater, Vater, vergib dem Schäflein dein;

    Es weiß ja nicht, was es verbricht,

    Für es sterb’ ich allein.

 

 

8) Eh’ ich die Augen schließe,

  Stellst du dich Schäflein ein

Sollst du im Paradiese

 Noch heute bei mir sein.

 Ach meine Mutter dauert mich,

Sie weint um mich so bitterlich,

   Mutter, Mutter das Schäflein ist nun dein

    Dann alle beid’ wenn ich verscheid’

   Seid ihr nicht so allein.

 

9) Ach, bald muss ich erblassen,

   Ach Vater, Vater mein,

   Wie hast du mich verlassen

  In dieser finstern Pein,

   Kein Stern, der mich erleuchtet,

  Kein Tau, der mich befeuchtet,

   Schäflein, Schäflein! Mich dürstet nach dir sehr,

  Ach kämest du noch jetzt herzu,

   Ich gleich erlabet wär.

 

10) Ach Schäflein, kehr zurücke,

      Die Sonne wird zur Nacht,

      Der Fels zerspringt in Stücke,

      Ach, gleich ist es vollbracht!

      Wirst Schäflein du gefunden,

       So trink aus meinen Wunden.

      Vater, Vater, des Tempels Vorhand reißt,

Es ist vollbracht, in deine Händ’

         Empfehl ich meinen Geist!                                 

                          +                         

                                                                    

 

Von Herzen Wünsche ich Ihnen einen gesegneten Herz-Jesu-Monat und danke für all Ihre Unterstützung

 

Mit priesterlichem Segensgruß