Ausgabe

Nr.17

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Dezember

2004

 

Liebe Freunde und Wohltäter,

 

in diesen Tagen bewegen wir uns auf das Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus zu. Neuheidnische Eindrücke begeg­en uns, die dieses große Fest verfälschen und verdrängen, aber auch unsere Lauheit und Gleichgültigkeit erfahren wir, denn wie groß ist dieses Geheimnis und wie wenig bewegt es uns. Die folgende russische Erzählung bringt die Menschwerdung Gottes einfach und treffend zum Ausdruck:

 

Es war einmal ein Herrscher, der viel erlebt hatte. Nun wollte er unbedingt Gott sehen. Und weil er ein absoluter Herrscher war, befahl er seinen Priestern und Weisen, ihm innerhalb einer festgelegten Frist diesen Wunsch zu erfüllen. Doch selbst der Weiseste unter ihnen vermochte dies nicht. Und so erwartete man voll Bangen die Strafe, die der König aussprechen würde.

 

Da kam ein Hirte vom Feld, der von des Königs Befehl gehört hatte, und sagte:

„Erlaube mir, König, deinen Wunsch zu erfüllen!“ „Gut“, entgegnete der König „aber bedenke, es geht um deinen Kopf“ Der Hirte führte den König auf einen freien Platz und zeigte ihm die Sonne. „Sieh hin“, sagte er. Der König hob seine Augen und wollte in die Sonne schauen. Aber der Glanz blendete ihn, und er musste den Kopf senken und die Augen schließen. „Willst du, dass ich erblinde?“ fragte er verärgert den Hirten. „Aber König, das ist doch nur ein kleiner Teil der Schöpfung, ein schwacher Abglanz der Größe Gottes, ein kleines Fünkchen eines flammenden Feuers. Wie willst du mit deinen schwachen, tränenden Augen Gott sehen? Suche ihn mit anderen Augen.“

 

Der Einfall gefiel dem König. Er sagte zum Hirten: „Ich erkenne deinen Geist und sehe die Größe deiner Seele. Antworte nun: „Was war vor Gott?“ Nach einigem Nachdenken meinte der Hirte: „Bitte, mein König werde nicht zornig, aber beginne zu zählen!“ Ent­schlossen sprach der König: „Eins, zwei…“ ...„ „Nein!“, unterbrach ihn der Hirte, „Nicht so! Fang mit dem an, was vor eins kommt?“ „Wie kann ich denn? Vor eins gibt es doch nichts.“ „Sehr weise gesprochen, mein Herr! Auch vor Gott existiert nichts.“

 

Diese Antwort gefiel dem König noch besser als die erste. „Ich werde dich reich beschenken; zuvor aber beantworte mir noch eine dritte Frage: „Was macht Gott?“ Der Hirte sah, dass sich des Königs Herz geöffnet hatte, und sagte: „Gut, auch darauf will ich dir antworten. Nur um eines bitte ich dich:

Lass uns für eine kurze Zeit die Kleider tau­schen.“ Der König willigte erstaunt ein, und sie wechselten die Kleider. Da sprach der Hirte schlicht und feierlich: „Das macht Gott! Er stieg vom Thron seiner Erhabenheit und wurde einer von uns. Er gibt uns, was Er hat, und nimmt das an, was wir haben und sind!“

(Leo Tolstoi)

 

Trotz allen äußeren Einflüssen wird Weih­nachten doch so werden, wie wir es in un­serem Inneren begehen. Niemand von außen kann letztlich unsere Gedanken und Gesinnungen beeinflussen, wenn wir es nicht zulassen. Ich möchte Sie ermutigen jetzt - noch in diesen Adventstagen -entschlossen nach innen zu gehen und die Ankunft des Herrn vorzubereiten. Warum nicht dem Vorschlag folgen, der früher oft den Kindern gegeben wurde: Sich vorstellen, dass jede gute Tat im Advent ein Stroh­halm für die Krippe des Christkindes ist Können wir das noch? Oder sind wir schon zu „verkopft“? Wenn wir auch nur jeden Tag einmal sagen und beten würden „Ja, Jesus, komm!“ oder „Jesus, ich vertraue auf Dich!“ wäre es ein Schritt in eine gute Richtung. Gott kann nur mit den Augen des Herzens geschaut werden, er war vor allem und er tauschte seine Herrlichkeit mit unserem Menschsein. Es wird auch heuer Weihnachten werden, unabhängig von un­serem Tun, aber wir können die Arme ausbreiten, den Erlöser sehnend erwarten und das Herz öffnen! Ich bete und wünsche, dass Ihnen dies gelingt. Herzlich lade ich Sie zu den Rorateämtern ein, die uns in die echte adventliche Sehnsucht versetzen möchten!

 

 

„Et verbum caro factum est“- Und das Wort ist Fleisch geworden