Ausgabe

Nr.15

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Juni

2004

 

Liebe Freunde und Wohltäter,

 

Die selige Mutter Theresa wurde einmal gefragt, wie sie denn den Ärmsten der Ar­men das Evangelium predige. Sie ant­wortete: „Das tue ich gar nicht! Zunächst einmal nehme ich die Menschen mit Liebe auf und nachdem ich sie gepflegt habe, fra­ge ich sie, ob sie etwas über Christus hören wollen. Die Menschen antworten mir da­rauf: Ist Christus wie du? Darauf sage ich: Nein, aber ich versuche so zu sein wie Er.

- Dann möchte ich ein Christ werden!“

Diese Erfahrung der seligen Mutter Theresa und ihre einfachen Worte zeigen uns wieder einmal, dass es bei der Evangelisierung nicht auf Propaganda und glänzende Reden oder große Konferenzen ankommt. Schon die alten Römer wussten: Worte belehren, Beispiele ziehen an.

Bei den Menschen ist es oft so, dass sie vom Teil auf das Ganze schließen. Wenn sie einen überzeugten Christen treffen, dann ist oft das ganze Christentum für sie über­zeugend. Wenn sie aber einem schlechten Christen begegnen, dann werden sie sich schnell vom Christentum abwenden. Ist

das nicht eine große Verantwortung für jeden einzelnen von uns? An meinem Auf­treten und meinem Verhalten kann es sich entscheiden, ob jemand zu Christus findet oder nicht! Ein großer Anspruch, aber auch eine große Chance!

Gerade der heutige Mensch hat oft ein feines Gespür dafür, ob der Glaube echt gelebt wird oder nur Maskerade ist. Erleben un­sere Kinder und Jugendlichen, die Men­schen um uns herum, dass uns der Glaube wirklich beglückt und beseelt? Durch die Taufe ist jedem von uns das Bild Christi eingeprägt worden und dieses Bild sollen wir ausstrahlen. Tun wir es nicht, dann verzerren wir das Bild Christ zu einer Karikatur. „Ist Christus wie du?“ — Das werden uns indirekt auch die Menschen unserer Umgebung fragen.

Im Juni nun begehen wir den Herz-Jesu­Monat. Wir werden die Worte aus der Herz­Jesu-Litanei beten: Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen; bilde unser Herz nach Deinem Herzen!

Ein altes Sprichwort sagt:  Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Wenn wir also Jesus bitten,

dass er unser Herz nach Seinem Herzen gestalten soll, dann muss der göttliche Meis­ter notwendigerweise den Hobel bei uns ansetzen und einiges entfernen, was nicht gut ist. Voraussetzung ist unser „Ja“ und unser Mittun.

Eine schöne Legende erzählt von einem alten Figurenschnitzer aus dem Grödnertal, dem der liebe Gott vor seinem Tod begeg­nete. Als er seinem Schöpfer gegenüber­stand, hielt ihm dieser eine unfertige Statue vor Augen und sprach: „Nun, Peter, das bist du; das ist dein Bild, und du siehst, es ist noch nicht fertig!“ Und tatsächlich sah Peter, dass sein Angesicht noch einige häss­liche und entstellende Züge aufwies. „Oh Herr“, bat da Peter Brunner, „lass mich‘s vollenden‘. - „Wohlan, Peter, nimm‘ das Schnitzmesser“, sprach der liebe Gott Und Peter Brunner nahm das Messer und schnitzte. Aber jeder Schnitt, den er an dem hölzernen Bild machte, tat ihm in der eigenen Seele weh. Da war ein Zug in dem Antlitz des Bildes, der gab ihm ein ver­bittertes Aussehen. Wie Peter ihn mit dem scharfen Schnitzmesser entfernte, da fühlte er es: Er schnitt sich alles aus der Seele, was Unmut, Groll, Neid und Verbitterung in ihm angerichtet hatte. Dann sah der das Bild an: Es war noch zu wenig Milde und Güte in seinem Gesicht. Wieder ging er ans Werk und schnitt alle Unbarmherzigkeit und Unfreundlichkeit heraus. Dann war er fertig und hielt das Werk dem lieben Gott hin. Dieser schaute ihn voll Erbarmen an und sagte: „Geh‘ ein in die Freude deines Herrn!“

„Ist Christus wie du?“ — „Ich versuche so zu sein wie Er!“ — Versuchen wir unser Le­ben nach dem, was mit diesen beiden Sät­zen gemeint ist, auszurichten. Möge der

Herr Sie besonders in diesem Monat an Sein heiliges Herz ziehen!

Mit priesterlichem Segensgruß!

 

 

Dein Kreuz

 

Gottes ewige Weisheit hat von Ewigkeit her das Kreuz ersehen,

das er dir als ein kostbares Geschenk aus Seinem Herzen gibt:

Er hat dieses Kreuz, bevor Er es dir schickte mit Seinen allwissenden Augen betrachtet,

es durchdacht mit Seinem göttlichen Verstand,

es geprüft mit Seiner weisen Gerechtigkeit,

 mit liebenden Armen es durchwärmt,

es gewogen mit Seinen beiden Händen,

 ob es nicht einen Millimeter zu groß und ein Milligramm zu schwer sei,

 und Er hat es gesegnet mit Seinem allheiligen Namen,

mit Seiner Gnade es durchsalbt und mit Seinem Troste es durchduftet.

Und dann noch einmal auf dich und deinen Mut geblickt

und so kommt es schließlich aus dem Himmel zu dir als ein Gruß Gottes an dich,

 als ein Almosen der allbarmherzigen Liebe.

 

Hl. Franz von Sales