Ausgabe

Nr.11

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Juni

2003

 

Liebe Freunde und Wohltäter,

 

Seit Mai nehme ich an einem Krankenhausseelsorgerkurs teil, der in Augsburg stattfindet Eine Teilnehmerin dieses Kurses ist eine Ordensschwester, welche die Schriften eines neuen Seligen ins Deutsche übersetzt hat Bruder Rafael Arnäiz Barön. Sie erzählte begeistert von diesem neuen spanischen Seligen, so dass mir die Idee kam, ihn auch Ihnen in diesem Rundbrief vorzustellen. Schwester Ingrid Mohr, so heißt die Obersetzerin, sprach schon im Radio Horeb über Br. Rafael und wird auch uns in St Marga­reth in Augsburg am Dienstag den 15.Juli einen Lichtbildervortrag über diesen besonderen Ordensmann halten. Der Vortrag ist im Anschluss an eine heilige Messe, die um 19 Uhr beginnt.

 

Aber nun zu Br. Rafael selbst. Theoretisch könnte er sogar noch leben, denn er wurde 1911 in Burgos (Spanien) geboren, getauft und später auch gefirmt. In dieser Stadt begann er seine Schulzeit im Kolleg der Jesuiten. Im Jahr 1919 empfing er die erste hl. Kommunion. Ausgerüstet mit einer frühreifen Intelligenz, waren in ihm schon sehr bald klare Zeichen seiner Hinwendung zu religiösen Dingen zu erkennen. Bereits in diesen Jahren wurde er von Krankheit heimgesucht, die seine Begleiterin werden sollte. Sie zwang ihn, die Schulzeit zu unterbrechen. Nach der Genesung fuhr sein Vater im Sommer 1922 aus Dankbarkeit mit Ihm nach Saragossa. Er schrieb die Heilung seines Sohnes der besonderen Fürsprache Mariens zu und weihte ihn der „Muttergottes auf dem Pfeiler (Virgen del Pilar, Patronin Spaniens). Diese Begebenheit prägte sich tief in Rafaels Geist ein.

 

Nach dem Umzug der Familie nach Oriedo, setzte Rafael dort seine Gymnasialzeit fort und immatrikulierte sich nach dem Abitur and der Hochschule für Architektur in Ma­drid. Rafael war mit einer großen Intelligenz begabt und besaß hervorragende Qualitäten, z. B. malte er viele Bilder. Während er heranwuchs und sich immer mehr entwickelte, nahmen auch seine spirituellen Erfahrungen eines christlichen Lebens zu. Gott wollte in seinem bereiten Herzen die Einladung zu einer besonderen Einladung an Ihn im monastischen Leben wecken. Nachdem der Kontakt zur Abtei der Zisterzienser in San Isidro de Duenas aufgenommen hatte, fühlte er sich stark angezogen von dem, was er dort gesehen hatte und was seinen tiefsten Wünschen entsprach. Am 16. Januar 1934 trat er In dieses Kloster ein. Gott wollte ihn auf geheimnisvolle Art formen mit einer unangenehmen Krankheit - der Diabetes -, die ihn dreimal zwang, das Kloster zu verlassen. Aber er kehrte ebenso oft dorthin zurück in einer großzügigen, treuen und echten Antwort auf das, was er als den Ruf Gottes verspürte.

 

Geheiligt in der freudigen Treue zum monastischen Leben und in der liebevollen Annahme von Gottes Plan, vollendete er sein Leben in den frühen Morgenstunden des 26. April 1938. Er war gerade 27 Jahre alt geworden und wurde auf dem Klosterfriedhof beerdigt. Sehr bald schon breitete sich der Ruf seines heiligmäßigen Lebens unaufhaltsam über die Klostermauern hinweg aus. Zusammen mit der Botschaft seines vorbildlichen Lebens, verbreiten sich seine zahlreichen Schriften auch weiterhin. Sie finden vielfach begeisterte Annahme und bewirken Gutes in denen, die durch sie In Kontakt mit der Spiritualität Rafaels kommen. Am 19. August 1989 empfahl ihn Papst Joh. Paul II. beim Weltjugendtreffen in Santiago de Compostela den Jugendlichen als Vorbild. Am 27. Sept. 1992 sprach er ihn selig.

 

Die an Nuancen reiche Spiritualität Rafaels verdichtet sich in der Suche nach Gott, die immer vorrangiger wird in seinem Leben und die er in dem einen Satz ausdrückt, der alles zu umfassen scheint „Gott allein!“ Gott erfüllt sein ganzes Leben; außer ihm ist nichts von wirklicher Bedeutung. Darum ist das Leben des seligen Rafael vor allem ein Zeugnis der Transzendenz Gottes, des Absoluten in Gott. Es handelt sich nicht um einen Gott von dem man viel weiß, sondern um den Gott, der im Leben erfahren wird.

So — fasziniert von Gott - entdeckte Rafael, dass das monastische Leben „sein“ Weg war. Er dürstete nach Gott, und sein ganzes Streben ging dahin, zu leben und zu lieben, denn er war ein Mensch, geschaffen für die Liebe. Und weil er nicht wollte, dass sein Leben etwas anderes sei als ein Akt der Liebe, und weil er Jesus über alles lieben wollte, sagte er: „Ich würde nicht mehr leben wollen, wenn ich leben könnte, ohne Ihn zu lieben.“

 

Was kann uns dieser junge Zisterziensermönch sagen, uns die wir in der Welt leben und vielleicht von vielen Schwierigkeiten umgeben sind? Die Wege zu Gott sind sehr verschieden und doch sind es immer wieder die gleichen Schlüssel, die uns unseren je eigenen Weg zu Gott erschließen. Es ist vor allem die Bereitschaft unseres Willens und das Gebet Lassen wir uns heute etwas von diesem Br. Rafael zum Thema Gebet sagen, das für jeden wichtig ist Wenn wir beten, dann strömt Licht und Klarheit in den ganzen Menschen und wir werden die Hindernisse unseres Lebens, was es auch immer sein mag, anders sehen. Vergessen wir nicht die Bedeutung des persönlichen Betens...

 

Aber lassen wir nun ein wenig den seligen Rafael zu Wort kommen. Beim Thema Gebet geht es zuerst um die Bedingungen dafür. Vielleicht setzten wir diese Voraussetzungen so hoch an, dass oft deswegen gar kein Gebet zustande kommt. Wir sagen:

„Ich bete erst, wenn ich das und das erledigt habe..., wenn ich richtig Zeit habe....usw.“

Br. Rafael sagt nur: „Wie wunderbar ist die Stille.... Gott versteht uns: Ich glaube, das reicht...“ ( Nr.127 „Nur Gast auf Erden?“). Still werden im Herzen und wissen, dass Gott mich versteht und liebt — das ist die wichtigste Bedingung und kann selbst schon Gebet sein. Über den Sinn des Gebetes überhaupt sagt Br. Rafael: „Was wäre die Welt ohne Gebet? Was wäre, wenn das Einzige, das Gott gefällt, wenn das Einzige, das Ihn davon abhält, die Menschheit zu vernichten, verschwände? Warum wundert sich die Welt darüber, dass Menschen voll guten Willens Ihre Knie zur Erde beugen und ihr Herz zu Gott erheben? Glauben sie, sie seien unnütz? Sie nennen sie egoistisch und verrückt und sagen, sie verlören ihre Zeit. Aber das stimmt nicht. Menschen, die sich dem Gebet widmen, sind die einzigen, die sie zu nutzen verstehen... Jener bescheide­ne Laienbruder, geistig ungebildet und schlicht, der sein „Ave Maria“ betet, trägt mehr zum Weltfrieden bei als alle Mitglieder der Liga der Nationen mit all ihrem Reden seit ihrer Gründung... Das heißt aber nicht, dass ich glaube, diejenigen täten nichts, die zur Ehre Gottes in der Welt arbeiten - im Gegenteil. Ich will nur sagen ‚dass alles verlorene Zeit ist, wenn sie nicht beten“ (Nr. 251)

 

Es gibt auch Beispiele wie einfach ehrlich Br. Rafael gebetet hat (Nr. 254): „Herr schau mich an! Du wirst sehen, dass mein Geist in Dir ruht, obwohl ich nicht verdiene, dass Du mich beachtest, und obwohl ich mit tausend Dingen und Sorgen beschäftigt bin! Und wenn ich manchmal zerstreut bin und die Geschöpfe mich einen Augenblick von Dir ablenken, dann denk daran, dass ich schwach bin, dass mein Herz menschlich ist und dass ich ein Mensch mit vielen Unvollkommenheiten bin! Mein Wunsch besteht darin, dich in allem, was mich umgibt, zu erkennen, an nichts weiter als an Deine unendliche Liebe zu mir zu denken, und Dich immer gegenwärtig zu haben, sowohl im Schlafen als auch im Wachen, wenn ich lache und wenn ich weine. Ich möchte alles auf Dich hin lenken, und möge mir alles fehlen außer Dir! Denn wenn ich Dich habe, besitze ich alles.“ Soweit dieses Beispiel eines Gebetes Rafaels.

 

Beten ist Zwiesprache mit Gott Eine echte Beziehung zu Gott kann nur erwachen aus einem lebendigen Gebet Wir reden ja auch mit den Menschen, deren Nähe wir suchen. In viel höheren Maß sollten wir das Gespräch mit Gott suchen. Der selige Raphael schrieb einmal an seine Tante (Nr. 357): „Schau morgen wirst Du Folgendes tun: Wenn Du kommunizieren gehst, erzählst Du dem Herrn ganz einfach und klar, was mit Dir los ist, genauso, wie du es mir berichtet hast. Dann bittest Du Ihn, er möge Dein Beichtvater, Dein geistlicher Berater, Dein bester Freund sein. Sag ihm auch, dass Du ihn für alles brauchst, weil Du Dich so allein fühlst. Sag es Ihm in aller Demut und Einfachheit, so wie Du bist! Erzähle Ihm mit allen Einzelheiten von Deinem Leiden, und zwar nicht, damit Er sie von Dir nehme, sondern um vor Ihm Dein Herz auszuschütten! Dein Kummer ist der Seine. Du willst ihm gehören; fang also da an, und gib und erzähle ihm alles. Sag’ Ihm, dass ich es Dir gesagt habe! Stütz Dich auf seine Knie und lass auf das einfache Gewand Jesu Deine Tränen fließen! Du wirst sehen wie der Herr Dir zuhört. Davon bin ich fest überzeugt. Du wirst umgewandelt und ganz beglückt weggehen, und wenn Du im Laufe des Tages eine Schwäche verspürst, macht das nichts...“

 

An einer anderen Stelle bringt er den Sinn des Gebetes, ja des inneren Lebens überhaupt auf den Punkt ( Nr. 511): „Siehst Du, wie einfach? Dein inneres Leben: Gott lieben... Und Dein Leben in der Welt? Wäre ich ein furchterregender Prediger, dann würde ich Dir mit finsterer Miene sagen: Buße, Gebet, Abtötung der Sinne usw. Klar, dass das gut ist, aber die Sache erscheint mir einfacher: Du brauchst nichts anderes zu tun als demütig dem zu gehorchen, was Dir diese Liebe zu Gott, die Du in dir trägst, vorschreibt…

 

Wenn Du Gott liebst, dann betest Du, auch wenn Du meinst Du tätest es nicht ...Woraus besteht dein Gebet? Nun aus Handlungen, die aus der Liebe zu Gott kommen, bis eines Tages diese Einzelhandlungen zu einer werden...“

 

Sind Sie nun gespannt den sel. Br. Rafael noch mehr kennen zu lernen? Dann kommen Sie doch zum Vortrag am 15.Juli oder besorgen Sie sich das Buch

 

„Nur Gast auf Erden?“

Rafael Arnáiz Barón Mystiker und Mönch                

Bernardus Verlag

Langwaden

41516 Grevenbroich

ISBN 3-910U82-37-8

680 Seiten/ EUR 20,35

 

Liebe Freunde und Wohltäter, zum Schluss noch einige Hinweise auf die Gottesdienst-Ordnung. Bitte beachten Sie diese, denn leider gibt es immer wieder Ausnahmen. Für die hl. Messen in Landsberg gilt in Zukunft, dass sie nicht mehr regelmäßig am Mittwochabend stattfinden, da dies ein zu großer Kilometeraufwand ist, wenn ich von der Krebsklinik deswegen Jede Woche nach Landsberg fahre. Zukünftig möchte ich ca. alle zwei Wochen zwei bis drei Tage in Lands­berg sein, so dass insgesamt doch die Zahl der hl. Messen nicht weniger wird. Allen Spendern möchte ich heute ein aufrichtiges Vergelt‘s Gott sagen und bitte Sie auch in

Zukunft um Ihre materielle Unterstützung. Leider muss „Wigratzbad“ bzw. der deutsche Distrikt immer noch „Augsburg“ finanziell unter die Arme greifen, da die Kosten für das Augsburger Apostolat noch nicht durch Spenden und Opfergeld abgedeckt werden. Ich bedanke mich deshalb für jeden kleinen und großen Beitrag!

 

Mit priesterlichem Segensgruß!