Ausgabe

Nr.10

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Mai

2003

 

Liebe Freunde und Wohltäter,

 

aus ganzem Herzen wünsche ich Ihnen eine gnadenreiche Osterzeit und den Segen des auferstandenen Heilandes!

Nun befinden wir uns im Frühlingsmonat Mai, der unseren Blick von der Volksfrömmigkeit her auf die Maiandacht lenkt. Erstaunlicherweise ist diese Andachtsform oft auch bei Nicht- Kirchgängern in guter Erinnerung, wenn sie diese beispielsweise in ihrer Kindheit posi­tiv erfahren haben.

Geschichtlich gesehen finden sich kleine Ansätze der Maiandachten bereits Mittelalter, wo man versuchte, die aus der heidnischen Vorzeit noch weiter lebenden, oft recht weltlichen Maifeiern in den Dienst der Muttergottes zu stellen. Die jetzige Form der Maiandacht gibt es seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Italien. Sie verbreitete sich über Frankreich und Spanien, im 19. Jahrhundert weiter in Belgien und der Schweiz und schließlich auch ab ca. 1850 in Österreich und Deutschland. Papst Pius VII. bestätigte diese Andachten und

förderte sie, indem er 1815 und 1822 Ablässe verlieh. Seit weit als über 100 Jahren sind die Maiandachten in der ganzen katholischen Welt verbreitet als eine der volkstümlichsten Muttergottes-Andachten.

In St. Margareth in Augsburg dürfen wir heuer einen Maialtar aufbauen und Maiandachten halten (siehe

Gottesdienstordnung). Bitte unterstützen sie auch die Maiandachten in Ihren Pfarreien, wenn sie ordentlich gehalten werden. Jesus Christus hat den Weg zu uns Menschen über Maria genommen und es ist ihm angenehm, wenn wir über seine hl. Mutter zu ihm kommen. Am Kreuz sagte er zum hl. Johannes und somit zur ganzen Menschheit: „Siehe da deine Mutter!“ Nutzen wir diesen Maimonat, um uns von neuem zur Zufluchtsstätte des Unbefleckten Herzens Mariens aufzumachen. Was bleibt uns anderes in dieser zerrütteten Zeit? Der Blick zur „Maienkönigin“ kann unseren Herzen Frieden und Trost geben.

 

Ein sehr früher Zeuge dieser Form der Mut­tergottesverehrung im deutschen Sprach­raum ist der selige Heinrich Seuse, auf den wir nun noch schauen wollen. Er wurde um 1295 in Konstanz geboren und gehörte dem Dominikanerorden an. Der „Ewigen Weisheit“ widmete er als deren „Diener“ einen poesievollen Kult. Er führte ein sehr strenges Büßerleben und wurde mit zahl­reichen Visionen und himmlischen Einsprachen beschenkt. Auf der Ordenshoch­schule in Köln war Heinrich Seuse ein begeisterter Schüler Meister Eckeharts. Er war sehr viel als Prediger unterwegs und litt unter mancherlei Verleumdung und Verfolgung. Er starb zu Ulm am 25. Januar 1366. Papst Gregor XVI. bestätigte 1831 seine schon lange bestehende Verehrung als eines Seligen. Wer sich in das Leben und Wirken dieses großen Mystikers vertiefen mochte, dein seien seine „Deutschen mysti­schen Schriften“ (Patmos-Verlag, Düsseldorf) empfohlen. Auch der heute suchende Mensch kann den Weg des Seligen Seuse gehen gemäß dem Prinzip: „Vom Sichtbaren zum Unsichtbaren.“

 

Der folgende Abschnitt stammt aus dem 24. Kapitel des „Büchlein der Ewigen Weis­heit‘, das Teil der „Mystischen Schriften“ ist.

 

Geh‘ ich zu den allerschönsten Kreaturen,

zu den höchsten Geistern,

zu den lautersten Wesen,

du übersteigst doch alles unsagbar.

Geh ‘ich dann in den tiefen Abgrund

deines eigenen Gutes, Herr,

da verschwindet alles Lob vor Kleinheit.

 

Herr, wenn ich hübsche, lebendige Gebilde,

holdselige Geschöpfe anblicke,

so sprechen sie zu meinem Herzen:

„Eya, schau, wie recht holdselig der ist,

von dem wir geflossen sind,

von dem alle Schönheit gekommen ist!“

 

Ich durchgehe Himmel und Erdreich,

die Welt und den Abgrund,

Wald und Heide, Berg und Tal:

Die rufen allesamt in meine Ohren ein

reiches Getön deines unergründlichen Lobes.

Wenn ich dann sehe,

wie unergründlich schön und ordentlich

du alle Dinge ordnest, üble und gute,

so werde ich sprachlos.

 

Herr, wenn ich aber bedenke,

dass du, das zu lobende Gut, der bist,

den meine Seele auserwählt hat,

und den meine Seele sich selber allein

zu einem einzig geliebten Liebsten

auserkoren hat, o weh, Herr,

da möchte mein Herz vor Lob in sich

selber zerspringen.

 

Mögen die Osterzeit und auch der Marienmonat Mai unser Herz zu dem führen, der die Liebe ist!

 

Mit priesterlichem Segensgruß!