Ausgabe

Nr.8

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Dezember

2002

 

Liebe Freunde und Wohltäter,

 

Wir alle merken, wie schnell unsere Lebenszeit vergeht. Nach den Novemberwochen, in denen wir an die letzten Dinge und auch an die Verstorbenen gedacht haben, ist nun das Kirchenjahr zu Ende gegangen. Wir schauen auf Christus, das siegreiche Lamm Gottes, in dem alles, aber auch gar alles, einmal am jüngsten Tag „auf den Punkt“ gebracht wird. Mit dem Eintritt ins neue Kirchenjahr bewegen wir uns auf das Hochfest der Geburt unseres Herrn zu. Auch die Adventszeit wird vorübergehen, die Frage ist „wie‘ wir sie durchlaufen. Es kommt auf unsere „Sehnsucht‘ an. Auf allen Seiten des Evangeliums wird uns direkt und indirekt gesagt, wie sehr Gott das Geschenk seiner Liebe und Gegenwart von unserem „Sehnen“ und unserem guten „Willen‘ abhängig macht. Gott kennt unser Versagen, unsere Schwachheit und unser Durchwach­sensein vom Stolz. Umso mehr zählt bei ihm kindlich vertrauende „Sehnsucht“ nach seiner Nähe

 

Oft drücken alte Kirchenlieder mit knap­pen Worten wichtige Gedanken aus. Zum vorweihnachtlichen Sehnen möchte ich Ihren Blick auf das wohlbekannte Lied „Ich steh an deiner Krippe hier“ (Gotteslob Nr. 141) lenken und Sie einladen den Inhalt in diesen Adventwochen zu betrachten:

 

„Ich steh‘ an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein Leben.

Ich komme, bring‘ und schenke dir, was du mir hast gegeben.

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut nimm alles hin

und lass dir’s  wohl gefallen.“

 

Der diese Worte singt oder betet, tritt hin zum göttlichen Kind. Um das zu tun, muss er aber aufgebrochen sein, hat den Anruf Gottes vernommen. „Geh“ sagt Gott oder ein Engel sehr oft in der hl. Schrift. Wie wichtig ist es ein Ziel zu haben, um dessent­willen man alte schlechte Gewohnheiten aufgibt und sich aufmacht. Weiter geht es mit der guten Erkenntnis, dass alles, was wir haben, Geschenk Gottes ist - „nimm alles hin“. Warum eigentlich dieses Zurück­geben? Denken wir an ein kleines Kind: Es nimmt z.B. den Ball, den die Mutter ge­schenkt hat und wirft ihn voll Freude der Mutter zu: Echte kindliche Liebe klebt nicht an den Dingen, sondern lässt teilhaben, hat Freude am Geben. unser Schenken Gott gegenüber ist deshalb so wertvoll, weil dadurch unser Wille zum Ausdruck kommt. Der hl. Augustinus sagte einmal: „Gott, der dich ohne deinen Willen erschaffen hat, wird dich nicht ohne deinen Willen erlö­sen.“ Schauen wir auf die zweite Strophe:

 

„Da ich noch nicht geboren war,

 da bist du mir geboren,

 und hast mich dir zu eigen gar,

 eh ich dich kannt, erkoren.

 Eh ich durch deine Hand gemacht,

 da hast du schon bei dir bedacht,

 wie du mein wolltest werden.“

 

Mit Worten beschreiben und bestaunen wir Gott, der uns von Ewigkeit her gewollt, bestimmt und geliebt hat. Ein wohltuender Gedanke, der vielen Menschen helfen könn­te, die in ihren Nöten beim Psychiater Hilfe erhoffen: „Ich bin einmalig von Gott geliebt“, sogar schon vor meiner Existenz. Und darüber hinaus wirbt Gott um meine Seele, macht sich Gedanken, wie er mir seine Gegenwart schenken könnte: „Da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.“ Mit dieser Strophe schauen wir gleichsam in die fernste Vergangenheit.

 

Aber selbst als wir schon auf dieser Erde waren, hat noch Dunkelheit uns umfangen:

 

„Ich lag in tiefster Todesnacht,

 du warest meine Sonne,

 die Sonne, die mir zugebracht,

Licht, Leben, Freud und Wonne.

0 Sonne, die das werte Licht

 des Glaubens in mir zugericht,

 wie schön sind deine Strahlen.“

 

Christus, das „Licht der Welt“, hat uns erlöst. Durch die Taufe wurden wir der Finsternis

entrissen und haben durch den Glauben die Möglichkeit „Kinder des Lichtes“ zu sein.

 

Ausgehend von unserem gegenwärtigen Zustand zeigt uns die letzte Strophe des Liedes Ziel und Sinn unseres Lebens. Und somit wird unser Blick nach vorne gelenkt:

 

„Ich sehe dich mit Freuden an

 und kann mich nicht satt sehen;

 und weil ich nun nichts weiter kann,

bleib‘ ich an betend stehen.

0 dass mein Sinn ein Abgrund wär‘

und meine Seel ein weites Meer,

 dass ich dich möchte fassen.“

 

Fast möchte man an den einfachen Bauer in Ars denken, der stundenlang ohne Gebetbuch vor dem Allerheiligsten kniete und zum hl. Pfarrer von Ars sagte: „ER schaut mich an, und ich schaue IHN an!“ Das ist echte Anbetung — liebendes Verweilen bei IHM. Aus dieser Haltung steigt dann die Sehnsucht nach Unendlichkeit im Lieben und sich verlieren in Gott auf. Dieses Wün­schen kann in diesem Advent neu entfacht werden und wird sich in der Ewigkeit vollenden.

 

Mit priesterlichem Segensgruß!

 

 

 

 

Was der Esel dem Christkind in der Heiligen Nacht zu sagen hat

„Ich schaue dich schon eine ganze Weile an. Das tut mir gut und macht mich ganz glücklich. Schon manches Kind habe ich angeschaut Du gefällst mir ganz besonders. Ich bin nur ein Esel. Aber in dir spüre ich ein Geheimnis. Ich kann das nicht begründen, aber mein Herz sagt mir, dass es so ist.

 

Ich durfte Zeuge deiner wunderbaren Ge­burt sein. Das vergesse ich nie mehr. Jetzt möchte ich einfach mit dir sprechen. Ich will dir aus meinem Eselsleben erzählen. Ich weiß, dass du mich verstehen wirst.

 

Weißt du, ich bin ein geduldiger Lastträger, ein Packesel. Für den Krieg tauge ich nicht. Da nehmen die Menschen die schnellen und stolzen Pferde. Ich liebe den Frieden. Mein Leben ist ganz einfach, und ich bin mit ganz wenigem zufrieden. Wohlstand kenne ich nicht. Oft bekomme ich nur Heu und Stroh. Wenn ich manchmal draußen eine schöne Distel zum Fressen finde, dann ist für mich Sonntag. Oft schlagen mich die Menschen, weil ich mich nicht wehren kann. Das tut mir weh. Aber ich schweige. Das ist eben meine Eigenart, zu schweigen und nicht zu klagen. Ich bin für den Dienst an den Menschen bereit...

 

Laut aussprechen kann ich nur das kleine Wort: J-A, welches ich bei den Menschen immer seltener höre. Hören ist übrigens meine Spezialität Findest du meine großen, langen Ohren nicht schön? Und meinst du nicht, dass gut Hören besser ist als viel Re­den? Wie gut wir uns verstehen. Je länger ich dich anschaue, desto mehr begreife ich, dass nicht der reich ist, wer viel hat, son­dern der, der wenig braucht. Und arm ist nicht, wer wenig hat, sondern der, der viel begehrt.

 

Es ist doch eigenartig, was man nicht alles begreift, wenn man dich nur ruhig und lange genug anschaut!

 

Wir haben uns verstanden. Wenn ich nicht schlafen kann, will ich dich einfach an­schauen. Ich spüre, dass jeder Augenblick in dieser Nacht kostbar ist.“