Ausgabe

Nr.6

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Mai

2002

 

Liebe Freunde und Wohltäter,

 

das dritte große Hochfest dieses Kirchenjahres steht vor der Türe und damit die dritte göttliche Person der Heilige Geist. Ich wünsche Ihnen allen ein gnadenreiches Pfingstfest, an dem wir dem Hl. Geist, der vielen so unbekannt ist, näher kommen.

 

Viel Neues gibt es nicht zu berichten; zwei positive Dinge jedoch möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Am 15. Juni wird in Wig­ratzbad die Priesterweihe gespendet und am darauf folgenden Tag wird ein Neupries­ter in Kloster Holzen (zwischen Augsburg und Donauwörth) seine Primiz feiern. Der Primiziant Konrad zu Löwenstein, dessen Familiengeschichte eng mit dem Kloster Holzen verbunden ist, hat mir erlaubt Ihnen diesen Termin bekannt zu geben. Vielleicht ist es einigen möglich an diesem ersten heiligen Primizopfer am 16. Juni teilzuneh­men. Genauere Hinweise finden Sie auf der vorletzten Seite dieses Rundbriefes.

 

Die zweite gute Nachricht bezieht sich auf meinen Heimatort Landsberg am Lech: Seit meiner Primiz im Jahre 1996 habe ich an freien Tagen in unregelmäßigen Abständen dort zelebriert. Da sich nun die Kliniktätig­keit auf die erste Wochen hälfte gelegt hat, werde ich nun in der Regel am Mittwoch Nachmittag in Landsberg sein und deshalb jeden Mittwoch um 18.30 Uhr in der Ignatius­kapelle, die zur Hl.-Kreuz-Kirche gehört, zelebrieren. Sowohl dem H. H. Stadtpfarrer als auch dem H. H. Spitalpfarrer danke ich für die Erlaubnis dieser „privaten“ Zele­bration. „Privat“ heißt in diesem Fall nicht öffentlich durch den Kirchenanzeiger be­kannt gemacht. Dies bedeutet aber nicht, dass keine Gläubigen zu diesen hl. Messen kommen dürfen. In der Tat bin ich dort noch nie ohne Volk gewesen!

 

Diesem „Augsburger Rundbrief“ ist diesmal ein Überweisungsformular beigelegt. Ich bin sicher, dass Sie dies richtig verstehen. Niemand soll sich bedrängt fühlen; wenn jemand das Augsburger Apostolat unter­stützen möchte, hin ich sehr dankbar, da es in einigen Posten noch nicht auf eigenen Füßen steht und immer noch Hilfe vom deutschen Distriktskonto braucht, auch wenn die Spenden im vergangenen Jahr zugenommen haben. Allen Spendern sage ich bei dieser Gelegenheit aus ganzem Herzen „Vergelt’s Gott“!

 

Nun jedoch einige Gedanken zum hl. Pfingst­fest. Der Introitus wiederum kann unsere Betrachtung anregen:

„Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, alleluja.

Er, der das All zusammenhält ...„

 

Seit im Paradiese die erste Sünde geschehen ist, geht ein Riss durch die ganze Schöpfung. Dieser unsichtbare, aber doch spürbare Riss trennt Gott von den Menschen, trennt den Menschen von seinen Mitmenschen. Aber Christus kam in die Welt, um sie zu erlösen. Er baute eine Brücke über die Abgründe. Doch hinter seiner sichtbaren Erlösung steht eine unsichtbare Kraft, eine Kraft, die wir gewöhnlich übersehen, steht der Heilige Geist. Der Heilige Geist ist seit Ewigkeit das Band zwischen Vater und Sohn. In der Welt wird er zum Band zwischen Gott und den Menschen, wird er zum Band zwischen Mensch und Mitmenschen.

 

Band zwischen Vater und Sohn

Gott ist der Ursprung allen Lebens. Von Ewigkeit steigt aus ihm das Bild seines Wesens auf. Dieses Bild ist der Sohn. Der Vater steht dem Sohn gegenüber wie eine Person ihrem Spiegelbild, nur dass dieses Spiegelbild lebendig und selbst eine Person ist. Vater und Sohn sind zwei verschiedene Personen, aber doch nur ein Gott. Das Vater und Sohn einigende Band ist der Heilige Geist. Er ist die Liebe, mit der Vater und Sohn sich einander öffnen bis in die letzten Tiefen. Er ist auch die Freiheit, mit der sie trotzdem selbstständige Personen sind. Die­se Liebe in Freiheit ist so stark, dass sie sel­ber wieder eine eigene Person ist, eben der Heilige Geist.

 

Dieses letzte und innerste Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit können wir nur ahnen und anbeten. Aber es ist notwendig, damit wir das Leben Jesu auf Erden besser ver­stehen. Der Heilige Geist ist das Band zwischen Vater und Sohn, auch und gerade wenn dieser Sohn Menschengestalt an­nimmt. Er überbrückt den unendlichen Ab­grund zwischen Gott und den Menschen. Schwer ist die Aufgabe der Erlösung. Aber der Heilige Geist stärkt den Menschensohn in der Taufe am Jordan. Unendlich vielfältig ist das Wirken des Erlösers. Aber der Heilige Geist gibt dem Sohn den Willen des Vaters kund. „Meine Speise ist es, den Willen des­sen zu tun, der mich gesandt hat.“ Das ist das innerste Geheimnis im Erdenleben Jesu: Jeden Augenblick gibt er sich vollkommen hin an den himmlischen Vater. Das Geheim­nis der liebenden Hingabe ist die Person des Heiligen Geistes. Diese vollkommene Hingabe erreicht ihren Höhepunkt im Kreu­zestod. Scheinbar ist das Band zwischen Vater und Sohn zerrissen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Aber gerade da ist dieses Band am stärksten, die Hingabe am deutlichsten. Aus Gehorsam und Liebe spürt der Sohn den Abgrund des Todes und damit die Arme des Vaters. Das Feuer des Heiligen Geistes wird am Kreuz zu einer lodernden Flamme und verschmilzt nun auch die heilige Menschheit Jesu hinein in die Heiligste Dreifaltigkeit. Vater und Sohn sind nun noch stärker aneinander gebunden im Heiligen Geist.

 

Band zwischen Gott und den Menschen In den Psalmen heißt es einmal: „An Dir hängt meine Seele, Du hältst mich fest mit Deiner Rechten“. Die Menschenseele hängt an Gott und kann nicht loskommen von ihm. Sie hat Heimweh nach Gott. Viele ha­ben dieses Heimweh erstickt, haben es tot­geschwiegen, totgelacht, totgearbeitet. Aber es zeigt sich immer wieder. Immer wieder gibt es einzelne, die es erkennen und ihm mutig folgen. Noch immer gibt es Bekeh­rungen und Konversionen. Die Menschen sehnen sich nach Gott. Dieses Heimweh ist nichts anderes als das Wirken des Heiligen Geistes, das Band zwischen Gott und den Menschen. Er ist es, der heimführt zur Kir­che und damit zum himmlischen Vater. Erst recht bindet er die Menschen in der Kirche an Gott. Alles, was wir in der Kirche haben, die Sakramente und Sakramentalien, die Tugenden und die Gnaden, ja sogar die Ge­bote, alles trägt das Siegel des Heiligen Geis­tes. Alles ist ja die Erfindung der göttlichen Liebe. Die katholische Kirche ist die große, und die Menschenseele ist die kleine Werk­statt des heiligen Geistes. Er ist unser Freund seit dem Tag der heiligen Taufe und Firmung. Lassen wir uns von ihm immer stärker an Gott binden

 

Band zwischen Mensch und Mensch

Der Heiland hat vor seinem Sterben im hohenpriesterlichen Gebet gesprochen:

„Nicht nur für die Jünger bete ich, sondern auch für die, die durch der Jünger Wort an mich glauben, damit alle eins seien, wie Du, Vater, in mir und ich in Dir.“ Der gleiche Heilige Geist führt auch die Men­schen zueinander. Er ist auch das Band zwischen Mensch und Mensch. Papst Pius XI. sagte vor vielen Jahrzehnten: „Schuld an der sozialen Not unserer Zeit ist der Individualismus.“ Jeder denkt nur noch an sich. Präsident Roosevelt hat einen Tag vor seinem Tod gesagt: „Man müsste eine neue Wissenschaft ausarbeiten, eine Wissen­schaft vom Zusammenleben der Men­schen.“ Der Heilige Geist hat Christus mit den Menschen verbunden, er hat die Men­schen zu seinen Brüdern gemacht. Er macht auch die Menschen untereinander zu Brüdern.

 

Pfingsten bedeutet auch Firmerneuerung. Firmung heißt Stärkung. Das Band, das uns mit Gott verbindet, soll in diesen Tagen stärker werden. Der Heilige Geist schenkt uns Licht und Weisheit, dass wir dazu alle Segnungen der Kirche nutzvoll gebrauchen. Das Band, das uns mit den Menschen ver­bindet, soll bewusster werden. Der heilige Geist schenkt uns Liebe und Geduld, dass wir in jedem Nächsten den Bruder sehen, der uns anvertraut ist in dieser Welt, für die Ewigkeit. In Gottes- und Nächstenliebe will uns der Heilige Geist heimführen in unsere ewige Heimat und Seligkeit, in die heiligste Dreifaltigkeit, in den Zustand der höchsten Liebe in größter Freiheit.

 

Mit priesterlichem Segensgruß!