Ausgabe

Nr.5

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus März

2002

 

Resurrexi!

Ich bin auferstanden, und immer bin ich bei dir, alleluja.

Du hast deine Hand auf mich gelegt, alleluja. Wie wunderbar hat sich deine Weisheit erwiesen,

alleluja, alleluja!“ (Introitus)

 

Liebe Freunde und Wohltäter,

 

wem es vergönnt ist, über den Inhalt des ersten Wortes des Osterintroitus hinaus

auch die Kraft der Me­lodie und des Wortes selbst zu verkosten, der muss gestehen, dass keine moderne Sprache, keine mo­derne Musik so kurz, so fromm, so majes­tätisch das Osterge­heimnis auszudrü­cken vermag, wie die Kirche dies am Oster­sonntag tut. Ein Wort, zwei Töne nur! Aber welch eine Macht liegt darin! Resurrexi! Vor uns steht unmittelbar der Herr als Sieger und Triumphator über Sünde, Tod und Satan.

 

Christus vor seinem Vater

Resurrexi! Ich bin auferstanden! Es ist wie wenn ein siegreicher Feldherr nach vollen­detem Auftrag seinem Gebieter Meldungmacht: Ich bin auferstanden! Ich habe das Werk, das du mir aufgetragen hast, vollen­det! ich habe gesiegt! So sehen wir gleich­sam den Herrn vor seinen Vater hintreten:

Vater, ich habe es geschafft! Ich habe dein Volk wieder mit dir versöhnt! Zwar lastete deine Hand in diesen Tagen schwer auf mir, aber wie wun­derbar hast du doch alles in deiner Weis­heit gefügt! Resurrexi! Ich bin auferstanden und nun bin ich wie­der ganz bei dir!

 

Sie erinnern sich an den Augsburger Rundbrief vom Juni 2001 mit dem Dreifaltigkeitsbild aus der Landsberger Klosterkirche: Gott Vater hält die Dornenkrone über dem Haupt des Sohnes. Dieses Bild zeigt eigentlich den „Ratschluss der Erlösung‘ —könnte aber auch nachösterlich gedeutet werden: Der Vater nimmt die Dornenkrone weg, ein Engel bringt Zepter und Herr­scherkrone Christi wieder, Christus kehrt triumphierend zum Vater zurück!

 

Christus vor seiner Mutter

Resurrexi! Ich bin auferstanden! So mag der Heiland auch am Ostermorgen seiner Mutter erschienen sein:

Mutter, ich bin aufer­standen! Alles ist vorüber! Du hast schwere Tage mit mir durchstehen müssen. Du hast mein Leib wie einst auf deinem Schoß getragen, aber deine Hän­de fanden nur grausame Wunden. Du wusstest oder ahntest wenigstens, wofür alles gut war und dass alles so kommen musste. Doch nun, Mutter, bin ich wieder da. Resurrexi! Ich bin auferstanden und bleibe nun bei dir!

Christus vor seinen Widersachern

Resurrexi! Ich bin auferstanden! Dieses Wort, diese Tatsache gilt auch den Wäch­tern am Grab — die Majestät des Aufer­standenen lässt sie wie tot zu Boden stürzen: Ihr und euresgleichen habt zwar in den vergangenen Tagen ein grausames Spiel mit mir getrieben und mich zu Tode gequält, aber nun bin ich auferstanden! Ich bin wieder unter euch und ihr werdet mich nicht mehr wegdiskutieren können, ihr Toren mit eurer sonderbaren Weisheit!

 

Unser Resurrexi

Resurrexi! Ich bin auferstanden! Wir wollen dieses Wort des Herrn in sieghafter Freude auch zum eigenen Triumphlied machen und dem Erlöser zujubeln: Deine Aufer­stehung ist auch meine Auferstehung! Du hast mich durch deinen Tod und deine Auferstehung losgekauft aus der Knechtschaft Satans. Resurrexi! Ich gehöre nun dir! Du hast deine Hand auf mich gelegt und ich werde nun immer bei dir sein. Wie wunderbar hat sich deine Weisheit an uns erwiesen: Du hast uns neues Leben ge­schenkt. Wir sind Erlöste!

 

Wenn Ihr schon mit Christus

auferstanden seid, dann sucht auch, was droben ist!“

(Kol 3,1)

 

 

Mahnung des Apostels

Nehmen wir zu diesem Osterjubel aber noch die Mahnung des hl. Apostels Paulus mit, der uns in der Osternacht zuruft: „Nun gut! Wenn ihr schon mit Christus auferstanden seid zu einem neuen Leben, dann sucht auch, was droben ist, wo Christus sitzt zur Rechten Gottes! Dann sucht, was droben ist, nicht das, was drunten ist!“ (Kol 3,1)

 

Unsere Auferstehung drängt uns zu einem höheren Streben. „Sucht, was droben ist!“, „Sucht!“ — das heißt auch, dass es um etwas kostbares geht. Was in Mengen herumliegt wie Kieselsteine, das sucht man nicht! Aber das Kostbare, das Seltene, das muss man suchen. Es gibt doch nichts Wertvolleres als unsere Erlösungsgnade, der all unser Streben gelten soll, um die wir besorgt sein müssen wie um einen Kronschatz, den wir bewahren für den Himmel, das ewige Reich Gottes.

 

„Sucht!“ — das heißt doch wohl auch, dass etwas verloren gegangen ist! Und in der Tat, wir haben keinen Auferstehungsstolz mehr, d.h. wir kein Gespür mehr für das, was wir durch Christus geworden sind. „Ich würde schon an ihren Erlöser glauben, wenn seine Erlösten erlöster aussähen“, spottete ein deutscher Philosoph; und er hat nicht ein­mal ganz unrecht darin, dass er behauptet, wir lebten zu wenig aus der Erlösung he­raus, Wir sind oft eingeschüchtert vom Unglauben, der immer mehr den Ton angeben will. Mutlos stehen wir oft den Werken der Finsternis und auch unserer Schwachheit gegenüber. Dabei vergessen wir, dass wir andere Waffen haben als die „Weltkinder“. Unsere Macht ist das Ver­trauen auf die Barmherzigkeit Gottes! Unser Schwert gegen Versuchungen und Mutlosig­keit ist der kleine Satz: „Jesus, ich vertraue auf dich.“ Genau dieser Satz steht auch unter dem Bild des barmherzigen Jesus in Krakau, das auf die hl. Schwester Faustine zurückgeht. Am Karfreitag beginnt wieder die vom Herrn gewünschte Novene zur göttlichen Barmherzigkeit, die sich über Ostern bis hin zum Fest der Barmherzigkeit am Weißen Sonntag hinzieht. Tauchen wir uns und alle Seelen in diesen Tagen in den wertvollen Strom der Barmherzigkeit, der uns durch Tod und Auferstehung aus dem Herzen Jesu strömt.

 

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, liebe Freunde und Wohltäter, eine gnadenreiches Osterfest verbunden mit einem herzlichen „Vergelt‘s Gott“ für jede Unterstützung.

 

Mit priesterlichem Segensgruß!