Ausgabe

Nr.2

Mitteilungen zu den hl. Messen in St Margareth und zum klassischen römischen Ritus Juni

2001

 

 

 

Liebe Freunde der alten Liturgie,

der erste „Augsburger Rundbrief‘, der in der Fastenzeit herauskam, fand bei vielen ein gutes Echo. Auch inZukunft werde ich mich über positive und kritische Reaktionen freuen, besonders von den Empfängern, die ich nicht persönlich kenne. Viele Adressen stammen vom Wigratz­bader Informationsblatt und ich habe volles Verständnis, wenn jemand den Rundbrief nicht bekommen möchte, weil einfach zu viel in den Briefkasten geworfen wird oder keine Beziehung zu den Hl. Messen in St. Margareth besteht.

Wie auch das letzte Mal, so soll auch in dieser Ausgabe der Bezug zum Kirchenjahr hergestellt werden. Wir haben das heilige Osterfest gefeiert, 40 Tage später das Fest Christi Him­melfahrt und am vergangenen Sonntag Pfingsten 50 Tage nach Ostern. Am Ende der Pfingstoktav steht aber noch ein großes Fest: Das Dreifaltigkeitsfest, gleichsam als ein krönender Abschluss der vergan­genen Wochen und Monate. Über den dreifaltigen Gott zu sprechen ist nicht leicht. Dass es einen Gott gibt, der Himmel und Erde erschaffen hat, darauf kann der Mensch auch mit seiner Vernunft kommen. Alles hat seinen Ursprung: das ist ein allge­meingültiges Prinzip. Angewandt auf die Erde und den Menschen bedeutet dies, dass hinter allem Sein einer stehen muss, der alles „ins Rollen“ gebracht hat und das Dasein am Leben erhält. Welche Geheimnisse jedoch dieser „große Geist“ in sich birgt, das musste er selbst den Menschen sagen, d.h. sich offenbaren. Ergründen können wir dieses Ge­heimnis nicht. Das wurde selbst dem hl. Augustinus klar, als er über die Dreifaltigkeit nachsinnend am Strand von Ostia auf und ab ging und plötzlich ein kleines Kind sah, das mit einem Löffel Wasser aus dem Meer in ein Sandloch schöpfte. Auf die Frage des hl. Augustinus, was es mache, sagte das Kind: „Ich schöpfe das Meer in dieses Loch!“ —Augustinus: „Das ist unmöglich!“ —Darauf das Kind, das in Wirklichkeit ein Engel war: „Ebenso wenig wie ich das Meer in dieses Loch schöpfen kann, wirst du das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit ergründen.“

Gott lässt uns Menschen aber nicht im Dunkeln, er offenbart sich, er lehrt uns vor allem durch die Kirche, die immer (las Licht der Wahrheit in sich trägt, mag sie auch noch so oft von dunklen Schatten umrungen sein, noch so viele Wunden haben, äußerlich noch so besudelt sein mit Schmutz vom Zeitgeist, der objektive, allgemeingültige Wahrheiten leugnet. Nein, auch in diesem Jahr dürfen wir durch dieses Fest unseren Blick auf jenes große innergöttliche Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit lenken. Es lohnt sich auch zu diesem Thema wieder einmal einen Katechismus (z.B. den neuen Katechismus der Katholischen Kirche) in die Hand nehmen und zu lesen.

Ich möchte Ihnen in diesem Rund­brief noch einen weiteren möglichen Weg zu diesem Geheimnis auftun, nämlich über ein Bild. Manchmal kann ein Bild sogar mehr aussagen als viele Worte. Außerdem ist es die für den Menschen ursprüngliche Art in Glaubenswahrheiten eingeführt zu werden: Denken wir an eine Mutter, die dem Kind z.B. den Kreuzweg erklärt oder an alte Kirchen mit ihren Bilderzyklen, genannt die „Bibel der Armen“.

 

Das farbige Bild, das Sie vor sich haben (sh. unten), ist das Altargemälde der Klosterkirche in Landsberg am Lech, in der ich getauft wurde. Gemalt wurde es im Jahre 1766 von Johann Georg Bergmüller. Es gibt Vermu­tungen, dass dieses Gemälde von Vi­sionen oder Anweisungen der seligen Crescentia von Kaufbeuren und vielleicht auch der Anna Maria Lindmayr beeinflusst ist, die einige Jahrzehnte zuvor auf göttliche Anweisung die Dreifaltigkeitskirche in München er­bauen ließ — eine besondere Kirche, übrigens die einzige Kirche Mün­chens, die im zweiten Weltkrieg nicht beschädigt wurde. Aber unabhängig von diesen Vermutungen wird deut­lich, dass das Geheimnis der Dreifal­tigkeit damals wie heute ein wichtiges Thema ist.

Im Alten Bund wurden die drei Personen in Gott nur angedeutet. Klarer ließ Gott dieses Geheimnis durch den Erzengel Gabriel der Muttergottes verkünden. Tatsächlich offenbarten sich die drei göttlichen Personen bei der Taufe Jesu im Jordan. Christus gab schließlich den Auftrag zur Taufe „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Mt 28, 19) Nun aber zum vorliegenden Bild.

Oben sehen wir ein Dreieck. Ein Gott in drei Personen: ein einziges Dreieck mit drei gleich langen Seiten. Dieses Dreieck ruht in einem Kreis, der andeutet: so wie der Kreis keinen Anfang und kein Ende hat, so ist der dreifaltige Gott, ohne Anfang und Ende, von Ewigkeit her bis in Ewig­keit und auch in jedem Augenblick. Daher die drei Buchstaben, „Alpha“. „Omega“ und das M für die „Mitte“. Im Dreieck der hebräische Schriftzug „Jahwe“ — „ich bin, der ich bin“, d.h. der ewig Seiende. So offenbarte sich Gott im Alten Bund dem Moses im brennenden Dornbusch. Der blaue Kreis könnte auch die Erde symbolisieren. In den Kreis ragt die Dornenkrone Jesu mit der Kreuzesinschrift „INRI“ (Jesus von Naza­reth, König der Juden). Damit soll ausgesagt werden: von Ewigkeit her beschloss Gott die Erlösung der Menschen auf dem Planeten Erde durch das schmerzhafte Leiden des Gottmenschen als Jesus von Nazareth. Die undankbaren Menschen vergalten die Liebe des Sohnes Gottes mit der Dornenkrone.

Die Symbolik im oberen Teil des Bildes ist aber noch nicht abgeschlossen. Der Kreis ruht in einem weiteren Dreieck, das nach unten auf die Erde deutet, wo Gott seine Wunder tut. In das Dreieck ragt ein Engelskopf. Damit soll gezeigt werden: Gott ist der Schöpfer der sichtbaren Welt (Erde, Planeten, Sonnensysteme) und der unsichtba­ren (d.h. der Welt der Engel, der reinen Geister, die ihn unaufhörlich anbeten, die in sein Licht getaucht sind und das Erlösungswerk umgeben). Am Rand des äußeren Dreiecks sind Lichtpunkte mit Symbolen der sechs mit bloßem Auge sichtbaren Planeten (Mond, Mars, Merkur, Sa­turn, Venus und Jupiter): Gott der Schöpfer der Gestirne und des Weltalls. Der unsichtbare Gott äußert sich durch die Schöpfung, die Ausfluss sein er Liebe ist.

Weiter unten, die drei göttlichen Personen. Ungewöhnlich, ja bisweilen umstritten, die Darstellung des H1. Geistes als Mann mit großen Flügeln. Alle drei haben das gleiche Gesicht, sehen gleich „alt“ aus. Auf ihrem Antlitz spiegeln sich Ruhe und Harmonie, göttliche Liebe und Friede. Das ganze Gemälde könnte als Überschrift tragen: Der göttliche Ratschluss zur Erlösung des Menschen. Alle drei Personen haben die Krone der Gottheit und das Zepter ihrer Macht. Gottvater und der Hl. Geist tragen die Krone auf dem Haupt. Das Zepter von Gottvater trägt am linken Bildrand ein Engel zusammen mit dem Flammenschwert, der lodernden Gerechtigkeit. Damit wird gezeigt, dass durch den Ratschluss der Erlösung die Gerechtigkeit, die wir Menschen an sieh verdient hätten, der Barmherzigkeit weicht.

Der Hl. Geist deutet mit seinem Zepter auf das Kreuz und das Loch, an dem die rechte Hand Christi angenagelt wird — der Hl. Geist als der Lehrmeister Christi, „durch Leiden hat er den Gehorsam gelernt“. Er wurde uns „in allem gleich, außer der Sünde“. Durch seine Wunden sind wir ge­heilt!“ Christus trägt Krone und Zepter nicht, und doch sind sie auf dem Bild zu sehen. Am rechten Bildrand trägt sie ein Engel auf rotem Samtkissen, d.h. der Herr entledigt sich durch sein Herabsteigen auf Erden seiner äußeren Macht und Herrlichkeit und nimmt willig die Dornenkrone und den Titel „Jesus von Nazareth, König der Juden“ aus der Hand des Vaters an. Er ordnet sich dem Vater unter: „Der Vater ist größer als ich“. Christus ist eingehüllt in den roten Mantel, der auf den Spottmantel und auf das kostbare Blut hinweist.

Dieses Altarbild führt uns aber noch tiefer in die Erlö­sungsgeschichte: im unteren Teil des Bildes die Welt und Adam, fast ange­kettet an sie. Noch ganz benommen vom Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies vernimmt er, — der Mensch den Ratschluss der Erlösung. Er horcht auf — neben ihm Eva. Sie ist erschrocken, ähnlich vielleicht wie die Hirten bei der Erscheinung des Engels: „Euch ist der Retter ge­boren“, und doch fällt schon ein wenig Licht auf ihr Gesicht. Wir denken an das „felix culpa“ der Osternacht. „0 unfassbare Huld Deiner Liebe: den Knecht zu erlösen, gabst Du den Sohn dahin! 0 Adamsünde, preiswert auch du, weil, dich zu tilgen, Christus den Tod erlitt! 0 glückliche Schuld, die einen Erlöser verdiente, so groß, so erhaben . ..„ (Exsultet der Oster­nacht).

Der Teufel dargestellt als ekelhafte, schwarze Schlange mit dem Apfel des Sündenfalls im Maul, auch er vernimmt den Ratschluss der Erlösung. Voll Angst, Entsetzen und glühendem Hass bleibt ihm nur die Flucht in die Hölle. Er flieht von der Bildfläche in einen rotgelben Hinter­grund. Es ist die Reaktion auch des Menschen, der die Liebe Gottes absolut nicht annehmen will: es bleibt ihm nur die Flucht in den ewigen Abgrund, die Gottferne. Der Schwanz des Teufels umschlingt ein Totengerippe: durch die Sünde kam der Tod in die Welt, der Gott als letzter Feind als Schemel unter die Füße gelegt wird. Dieses Skelett kann aber auch auf den Satz des Glaubensbekennt­nisses hinweisen, „Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches“. Hoffend streckt das Gerippe Gott die Hände entgegen und wartet auf den Posaunenruf des Jüngsten Tages, wo dann der erlöste Mensch vollendet mit Leib und Seele in das Geheimnis der heiligsten Dreifaltigkeit endgültig hinein­genommen wird.

Betrachtet man das Altarbild als ganzes, so fällt der überaus lange Kreuzesbalken auf. Von der Mitte der drei göttlichen Personen ragt er gleichsam aus dem dargestellten Geschehen heraus zum Betrachter hin. Wie singen wir im Lied „0 du hochheilig Kreuze“? „Du bist die sichre Leiter, darauf man steigt zum Le­ben, das Gott will ewig geben. Du bist die starke Brücke ... Du bist das Siegeszeichen ... Du bist der Stab der Pilger, daran wir sicher wallen, nicht wanken und nicht fallen ... .„Weiterhin weist das Kreuz auf den unter dem Bild stehenden Altar, jenen Ort, an dem das Kreuzesopfer in unblutiger Weise täglich vergegenwärtigt wird. Dieses Opfer wurde vollzogen und wir dürfen daran teilhaben, weil der dreifaltige Gott in seinem ewigen Ratschluss der Erlösung es so will. Und so gesehen, steht dieses Bild über jeder Hl. Messe, über jedem Sakrament, über jeder liturgischen Handlung. Wenn wir den Inhalt dieses Gemäldes im Herzen haben, beteiligen wir uns in richtiger Weise an jeder Hl. Messe. Ja, dieses heilige Geschehen wird uns eine Ewigkeit lang in der himmlischen Liturgie in bleibendes Staunen in dankbaren Lobpreis versetzen.

Dieses Altargemälde ist mehr als ein schönes Bild. Es möge uns das kommende Dreifaltigkeitsfest näher erschließen und überhaupt unserem Beten einen weiteren Horizont verleihen. Vielleicht wird es auch der eine oder andere einrahmen und weiter betrachten. Mögen wir alle die Schätze unserer barocken Kirchen diesem Sinn zusammen mit der Tiefe der alten Liturgie wieder entdecken.

Mit priesterlichem Segensgruß